Steibis
Mit der Spürnase auf Rettungsmission

Der Wind pfeift eisig auf dem Berg. Jede Böe treibt eine Ladung Schneeflocken vor sich her. In Ginas schwarzem Fell bilden sich bereits Eiszapfen. Dennoch wartet die Deutsche Schäferhündin geduldig auf ihren Einsatz beim Lehrgang der Lawinenhundestaffel des Bergwacht-Abschnitts Allgäu auf dem Imberg bei Steibis (Oberallgäu). Das Schneetreiben stört sie wenig.

«Wind kann sogar beim Suchen helfen, weil er die Witterung weit trägt», sagt Xaver Hartmann. Der Leiter der Lawinenhundestaffel beobachtet zwei der zwölf teilnehmenden Hunde. Sie schnüffeln über den Schnee. Irgendwo ist eine Puppe vergraben. «Wir üben mit Gegenständen, weil ein gefundener Handschuh oder eine Mütze im Ernstfall, den Suchradius eingrenzen helfen», sagt er. Wichtiger jedoch sei die Suche nach Verschütteten. Um diese zu simulieren, schaufeln die Bergwachtler Löcher in den Schnee, die in einem Hohlraum münden. Dort versteckt sich eine Person. Das Loch wird wieder gefüllt. Und dann heißt es für den Hund: «Such!»

«Wir intensivieren, was die Tiere ohnehin schon können», sagt Hartmann über das Training. Etwa drei Jahre dauert es, bis ein Lawinenhund ausgebildet ist. Deshalb sollten die Tiere bei der Aufnahme in die Staffel nicht älter als zwei Jahre sein. Eingesetzt werden die Vierbeiner, «solange sie fit genug sind».

Puppe gefunden

Auf dem präparierten Lawinenfeld schlägt inzwischen ein Labrador an. Er hat die Puppe gefunden und gräbt. Das Tier und sein Führer mit der Lawinensonde haben eine ganze Weile gesucht. «Wie schnell ein Hund einen Verschütteten findet, hängt von den äußeren Bedingungen ab», erläutert Hartmann. Sicher sei aber: «Er ist schneller als ein Mensch und kann eine große Fläche in kurzer Zeit absuchen.

» Auch technische Hilfsmittel ersetzen die Vierbeiner nach Ansicht des 51-Jährigen nie. «Piepser sind eine sichere Methode. Aber oft haben Verschüttete entweder keinen dabei, ihn nicht eingeschaltet oder tragen ihn nicht direkt am Körper.»

Ein Hund sei immer und bei jedem Wetter einsetzbar. Einzig in zu tiefem, weichem Schnee könne es problematisch werden. Und die Tiere sind keine Maschinen. «Sie haben auch schlechte Tage», sagt Hartmann. Dann lässt vielleicht ihre Motivation schneller nach oder sie lassen sich ablenken - zum Beispiel vom Rettungshubschrauber. Die meisten Hunde fliegen nämlich sehr gerne, weiß der Oberstdorfer. Das gilt auch für seine Gina. Sie ist mit acht Jahren ein erfahrener Lawinenhund. Überhaupt ist bei diesem Lehrgang nicht ein Neuling dabei.

«Es gibt wenig Nachwuchs», sagt Hartmann - selbst seit 31 Jahren Hundeführer - und nennt einen Grund: «Hundler sind in der Bergwacht und die Arbeit dort ist schon zeitintensiv, dazu kommt die Spezialausbildung zum Hundeführer.» Bis zu 50 Tage im Jahr ist Hartmann als Hundler unterwegs - zusätzlich zum normalen Bergwachtdienst.

Viele dieser Stunden leistet auch Gina. Mit verschneitem Fell wartet sie immer noch geduldig unter einem Baum, während das Lawinenfeld für eine neue Suchübung vorbereitet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019