Marktoberdorf
Minarett in Marktoberdorf kein Aufreger

Während sich die Schweizer gerade gegen den Neubau von Minaretten ausgesprochen haben, entsteht in Marktoberdorf eine Moschee mit solch einem Turm. Ihre Geschichte ist eine Geschichte von Verständnis, gegenseitiger Rücksicht und dem gänzlichen Fehlen künstlicher Aufgeregtheit oder gar eines Kulturkampfes.

Der Marktoberdorfer Bauausschuss befürwortete einstimmig das Vorhaben und auch in der Bevölkerung regte sich kein Protest. Im Sommer war Grundsteinlegung, der Rohbau steht und derzeit läuft der Innenausbau. Aufregung über Minarette kann Burhanettin Emek nicht nachvollziehen. Der Marktoberdorfer ist der Planer der Moschee. Wenn es Vorbehalte gebe, «dann eher aus Unwissenheit».

Seit vielen Jahren wünschte sich die türkisch-islamische Gemeinde eine Moschee als Ersatz für den längst zu klein gewordenen Gebetsraum in einem ehemaligen Bauernhof. Das Vorhaben blieb damals trotz Baugenehmigung in der Warteschleife stecken.

Als die benachbarte Firma AGCO-Fendt ihr Werk auch auf den Boden, auf dem die Moschee geplant war, erweitern wollte, stellten die Muslime unkompliziert ihren Grund zur Verfügung.

Der jetzige Bau am neuen Standort ist eine Nummer kleiner und damit auch leichter zu finanzieren. Das Kulturzentrum mit Moschee kommt dabei nicht als orientalischer Exot daher. Augenscheinlichster Hinweis auf den religiösen Zweck des Gebäudes ist das 15 Meter hohe Minarett, das in Wirklichkeit nur eine Stele ist, da es nicht begehbar ist (Emek: «schon allein aus Kostengründen») und keine Lautsprecher montiert werden.

Bürgermeister Werner Himmer (Freie Wähler) berichtet, dass im Vorfeld durchaus einige Anwohner Bedenken wegen des Bauwerks und der befürchteten Lärmbelästigung durch Besucher geäußert haben. Stadt und türkisch-islamische Gemeinde luden daraufhin zu einer Informationsveranstaltung, erläuterten die Pläne und räumten die Bedenken aus dem Weg.

Aus seiner Sicht haben vor allem zwei Faktoren zum reibungslosen Ablauf beigetragen: Zum einen «pflegt die hiesige Gemeinde ein gutes Miteinander zur übrigen Bevölkerung». Zum anderen «die Transparenz von Stadt und türkisch-islamischer Gemeinde» beim Bauvorhaben.

Dadurch wurde die Moschee zu einem Ereignis für die ganze Stadt: Das Fest zur Grundsteinlegung war sehr gut besucht und die katholischen wie die evangelischen Kirchen gratulierten zum Bau.

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