Löwenzahn löst selten Allergie aus

Kempten(mic). - Die Augen werden rot und tränen, die Nase läuft und zu guter Letzt kommt auch noch Migräne hinzu. Für viele Allergiker sind das Zeichen, dass der Pollenflug begonnen hat. Allergieauslöser sind meist Gräser-, Getreide- oder Kräuterpollen. Der im Allgäu häufig vorkommende Löwenzahn hingegen ruft - entgegen der weit verbreiteten Meinung - nur sehr selten Allergien hervor. Der Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde sowie für Allergologie Dr. Karl-Werner Heinl erklärt dies biologisch: Zum einen gibt es Insektenbestäuber. Ihre Pollen sind groß, schwer und klebrig und können daher nicht fliegen. Allergologisch sind sie unproblematisch. Auf der anderen Seite gibt es reine Windbestäuber - die Auslöser der meisten Pollenallergien. Dazu zählt beispielsweise Getreide. Ein Roggenpollen kann laut Heinl 50 bis 60 Kilometer weit fliegen. Dadurch sei es auch möglich, dass ein Oberallgäuer unter einer Getreideallergie leidet, obwohl es in der Region keine Felder gibt.

Vier Wochen hinten dran 'Löwenzahn ist ein Selbstbestäuber - sozusagen ein Zwischending', sagt der Facharzt. Allergische Reaktionen könnten nur bei direktem Kontakt ausgelöst werden, beispielsweise wenn jemand einen Löwenzahnstrauß pflückt. Eine Besonderheit im Allgäu ist, dass die Pollen in den Bergen relativ spät zu fliegen beginnen. Bis zu vier Wochen später als in anderen Gegenden. 'Wenn ein Allergiker geschickt ist, kann er dadurch den Frühblühern entkommen', sagt Heinl. Und zwar, indem er die Wochen, in denen in seiner Region die Pollen fliegen, andernorts verbringt. Und was kann man gegen tränende Augen und laufende Nase tun? Bei Allergikern mit wenig Beschwerden wird in der Regel symptomatisch behandelt. Das heißt, der Patient bekommt Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen, sobald die ersten Symptome auftreten. Bei Allergikern mit größeren Problem greift der Arzt zur Methode der Hyposensibilisierung. Dabei bekommen sie außerhalb der Blühperiode Allergenpräparate verabreicht. Der Körper wird daran gewöhnt, bis die allergische Reaktion schließlich ausbleibt. 'Das Immunsystem eines Allergikers ist fehlprogrammiert. Es sieht in Pollen Feinde und reagiert darauf, wie andere Immunsysteme auf Viren und Bakterien reagieren.' Daher entsprächen die Symptome auch weitgehend denen einer Erkältung. Während eine Hyposensibilisierung früher nur mittels Spritzen möglich war, gibt es inzwischen auch die so genannte sublinguale Therapie. Hier werden die Allergene statt mit der üblichen Spritze in Form von Tropfen unter der Zunge platziert. Vor allem wird diese Methode bei Kindern angewendet. Problematisch ist dabei allerdings laut Heinl, dass die Tröpfchen zwei bis drei Minuten unter der Zunge liegen bleiben müssen, bis der Wirkstoff über die Schleimhaut in den Körper eingedrungen ist. Zudem sei diese Methode datentechnisch teilweise noch unerforscht.

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