Oberstdorf
Liegend über die Piste

Die Kanten der vorbei rauschenden Skifahrer kratzen bedrohlich über den harten Pistenbelag. Feiner Schneegriesel staubt auf. Liegend über die Piste, festgezurrt auf dem Akja, bietet sich plötzlich ein völlig anderes Bild von der Winterlandschaft am Nebelhorn (Oberallgäu). Der Rettungsschlitten mit dem Patienten setzt sich träge in Bewegung, der Schnee knirscht.

Noch immer werden viele Verletzte mit Akjas von der Piste ins Tal gebracht. Trotz moderner Transportmittel wie Quad oder Motorschlitten ist der Umgang mit dem Rettungsschlitten nach wie vor ein wichtiges Element beim Winterrettungs-Lehrgang der Bergwachtanwärter am Nebelhorn. «Mit dem Akja komme ich in ein Gelände, wo ich mit anderen Fahrzeugen nicht mehr hinkomme», sagt Roger Filleböck, einer der Bergwacht-Ausbilder. Insgesamt 24 junge Männer und Frauen üben derzeit eine Woche lang, wie man Verletzte auf der Piste birgt, einen Rettungshubschrauber einweist und eben auch wie man Patienten mit dem Akja ins Tal transportiert.

Mit beiden Händen die roten Griffe umklammernd zieht der 18-jährige Philipp Menzenbach den Rettungsschlitten hinter sich her. Der Akja ruckelt über den unebenen Schnee und neigt sich leicht zur Seite. Wer wie Menzenbach aus Immenstadt (Oberallgäu) ein Bergwacht-Mann werden will, muss insgesamt fünf Prüfungen absolvieren. Das dauert in der Regel zwei bis fünf Jahre. Schwerpunkte sind Sommer-, Winter- und Luftrettung sowie Notfallmedizin und Naturschutz. Wer zur Bergwacht will, muss sich außerdem sicher im Gelände bewegen - im Sommer wie Winter.

Die Bergwacht Bayern mit rund 3500 aktiven Mitgliedern ist immer noch eine richtige Männerdomäne. Auch beim jetzigen Lehrgang sind die vier Frauen gegenüber den 20 Männern stark in der Unterzahl. Doch das schreckt die 28-jährige Sabine Biederwolf nicht ab.

«Klar bei manchen Dingen tun sich Frauen vielleicht schwerer - aber es muss trotzdem gehen», meint sie ehrgeizig. Ein Erlebnis im Gebirge hat die junge Frau zur Bergwacht gebracht. «Am Gipfel hatte ein älterer Mann einen Herzinfarkt, jetzt mit der Ausbildung könnte ich besser helfen als damals.»

Oben am Himmel erscheint ein kleiner orangenfarbener Punkt. Das ist der Einsatz für Biederwolf. Sie streckt ihre Arme nach oben und blickt gebannt in die Richtung. Der Rettungshubschrauber nähert sich mit knatternden Rotorblättern. «Sobald ich Sichtkontakt habe, versuche ich ihn einzuweisen», erklärt Biederwolf die Übung später.

Philipp erreicht mit dem Akja die Liftstation. Sanft bremst er den Schlitten ab und löst fix die Gurte, mit denen der Patient festgezurrt ist. Eigentlich eine komfortable Abfahrt. Trotzdem gut, dass es dieses Mal nur eine Übung war.

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