Brückenkatastrophe
Leubas-Unglück vor 40 Jahren forderte neun Todesopfer

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Unmengen frischer Beton, zerborstener Baustahl, abgebrochene Balken, verbogene Gerüste, Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen, Särge, Schwerverletzte im Krankenhaus, betretene Politiker-Gesichter, Pfarrer, Richter und Angeklagte: Wer im Papier-Archiv der Allgäuer Zeitung im Ordner 'Leubas-Brücke' stöbert, stößt auf viele Schwarz-Weiß-Bilder, die das ganze Chaos und das jahrelange juristische Nachspiel dokumentieren.

Heute vor 40 Jahren stürzte beim Bau der A7 die Brücke über den Leubas-Bach im Norden Kemptens ein. 22 Bauarbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen. Drei von ihnen waren sofort tot, sechs starben später an den Folgen ihrer Verletzungen.

30. April 1974: In den Morgenstunden dieses Dienstages wird in das 30 Meter lange Mittelstück der zukünftigen A 7-Brücke frischer Beton eingegossen. Es ist 6.45 Uhr. 140 Kubikmeter Beton sind bereits eingefüllt. Da bricht die Konstruktion plötzlich zusammen und stürzt 15 Meter tief ins Bachbett der Leubas. Zwei Arbeiter können sich an Eisenteilen festhalten, die aus der Bruchstelle herausragen.

Die anderen 22 Kollegen fallen mit hinunter und werden unter den Trümmern begraben. Mit Schaufeln und Schneidbrennern versuchen die Rettungskräfte, die Verunglückten zu befreien. Es gelingt nicht bei allen. Die Feuerwehr muss immer wieder Wasser in die Unglücksstelle gießen, um zu verhindern, dass der Beton hart wird.

800 Rettungskräfte helfen

Insgesamt sind binnen weniger Minuten 800 Rettungskräfte am Ort des Geschehens. Der Einsatz ist damit eine der größten Hilfsaktionen, die das Allgäu je gesehen hat. Die Retter werden Zeuge erschütternder Szenen. So sehen sie, wie ein verschütteter Arbeiter, der nur noch einen Arm frei hat, einem Kollegen, der bis zum Kopf begraben ist, den nassen Beton vom Gesicht wischt, damit er atmen kann.

Glück im Unglück haben drei Männer, die zwar vollkommen unter Beton verschüttet sind, aber in einer Luftblase überleben. Der Brückeneinsturz fordert am Ende neun Tote: Drei deutsche Bauarbeiter sowie sechs damals so bezeichnete Gastarbeiter (vier aus der Türkei, ein Jugoslawe und ein Österreicher). Ihre Namen stehen auf einer Tafel, die heute unter der Brücke an einem Pfeiler angebracht ist.

Langes juristisches Nachspiel

Dem Unglück folgt ein langes juristisches Nachspiel: Wer ist schuld an der Katastrophe? Stimmten die Berechnungen? War das Gerüst zu früh für das Betonieren freigegeben worden? Zeugen widersprechen sich zum Teil, Sachverständige kommen zu unterschiedlichen Bewertungen. Im Dezember 1976 stehen die Verantwortlichen, drei Ingenieure von zwei Münchner Baufirmen, vor dem Landgericht Kempten.

Zwei der Angeklagten werden wegen fahrlässiger Tötung inneun und fahrlässiger Körperverletzung in sechs Fällen zu je acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 9.000 Mark (etwa 4.500 Euro) bzw. 6.000 Mark (knapp 3.000 Euro) Geldstrafe verurteilt. Der dritte Münchner Ingenieur muss 6.000 Mark Geldstrafe zahlen.

Die Verteidigung geht in Revision. Diese wird schließlich im Januar 1978 vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe verworfen. Damit ist das Kemptener Urteil gegen die drei Ingenieure rechtskräftig. Eine der beiden Münchner Baufirmen meldet bald nach dem Unglück Insolvenz an.

Was bleibt, sind bei den Betroffenen und Helfern auch 40 Jahre danach die Bilder von der Beton-Lawine, dem zerborstenen Stahl und der verzweifelten Rettungsaktion.

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