Kempten / Allgäu
Lebensretter im Rucksack

Die Lawinen-Situation ist derzeit nicht mehr ganz so prekär wie noch vor wenigen Tagen, bleibt aber wegen des ungünstigen Schneedeckenaufbaus nicht ungefährlich. Erst vor wenigen Tagen war ein 42-Jähriger Snowboarder im Kleinwalsertal von einem Schneebrett erfasst worden.

Möglichweise blieb er wegen seines Lawinen-Airbags unverletzt. Piepser, Sonde und Lawinenschaufel gehören auf jeden Fall in den Rucksack, wenn die gesicherte Piste verlassen wird. Welche Notfallsysteme gibt es und was sagt der Lawinen-Experte Martin Engler (47) aus Untermaiselstein (Oberallgäu) dazu? Was sollten Skitourengeher und Tiefschneefahrer mit sich führen?

Verschütteten-Suchgerät(VS-Gerät): Das VS-Gerät sendet ein Signal auf der Frequenz 457 Kilohertz (kHz) und wird abseits gesicherter Pisten im sendenden Zustand getragen. Werden Personen von einer Lawine verschüttet, stellen die Nicht-Verschütteten ihre Geräte auf Empfang. So kann der Verunglückte auch auf einer großen Fläche geortet werden. Preis: 200 bis 300 Euro.

Engler: «Im Ernstfall kommt Stress und Panik auf. Man sollte die Suche mit dem VS-Gerät immer vor Beginn der Wintersaison üben.»

RucksackmitLawinen-Airbag(ABS): Ob jemand eine Lawine überlebt hängt in erster Linie davon ab, ob es gelingt, während des Lawinenabgangs an der Oberfläche zu bleiben.

Wird das ABS-System bei einem Lawinenabgang mit dem Ziehen am Auslöser gestartet, sorgt es dafür, dass man mit dem zusätzlichen Auftriebsvolumen von 170 Litern in fließenden Schneemassen an der Schneeoberfläche bleibt beziehungsweise die Verschüttungstiefe reduziert wird.

Das sagt der Experte: «Ein sinnvolles Mittel, das die Überlebenschancen erhöht. Die absolute Sicherheit bietet auch der Lawinen-Airbag nicht. Es besteht die Gefahr, dass das Gesicht in den Schnee gedrückt wird. «

Preis: 600 bis 800 Euro

Snowpulse-Rucksack: Die Funktion ist ähnlich wie beim ABS-Rucksack, mit dem Unterschied, dass das Snowpulse-System zusätzlich den Benutzer vor Verletzungen am Kopf und einem Genickbruch schützen soll, da sich der Airbag vor der Brust und um den Nacken und nicht auf dem Rücken aufbläst.

Laut Hersteller sorgt zudem die neuartige Postion des Airbags dafür, dass der Kopf an der Oberfläche der Lawine bleibt. Die bisherigen Praxisfälle würden dies bestätigen.

Martin Engler: «Prinzipiell eine sehr sinnvolle Weiterentwicklung des Airbag-Systems, weil der Kopf geschützt ist und laut Tests oben bleibt.»

Lawinenball: Der Ball kommt in zusammengefalteter Form außen an den Rucksack. Im Falle eines Lawinenabgangs wird die Reißleine gezogen, der Ball hüpft durch einen Federmechanismus aus seiner Hülle und entfaltet sich. Aufgrund des geringen Gewichts hat der Ball gute Chancen, oben auf der Lawine zu schwimmen. Er ist durch seine auffällige Farbe auf dem Lawinenfeld gut sichtbar, verhindert aber nicht die Verschüttung. Durch Ziehen an der Schnur kann das Opfer schnell lokalisiert werden. Preis: 200 Euro.

Engler: «Ich halte viel vom Lawinenball, weil Verschüttete auf diese Weise leicht und schnell zu orten sind.»

Recco-System: Das Recco-System arbeitet mit passiven Reflektoren und aktiven Suchgeräten, mit denen die Bergrettungsdienste im Alpenraum ausgerüstet sind. Die Reflektoren können kostengünstig in Wintersportbekleidung und -ausrüstung eingebaut werden. Die Suchgeräte des Bergrettungsdienstes senden Funksignale aus, die von den Reflektoren zurückgeworfen werden. Allerdings können nur noch Mitglieder des Rettungsdienstes, nicht aber unversehrt gebliebene Begleiter einen Verschütteten gezielt suchen. Preis: 20 Euro.

Engler: «Beim Variantenfahren am Rande von Skigebieten können Recco-Streifen wertvoll sein. Dies sollte aber auf keinen Fall dazu verleiten, auf ein VS-Gerät zu verzichten.»

Erstickungstod verhindern

Avalung: Durch das Avalung-System soll der Erstickungstod in einer Lawine hinausgezögert werden, damit den Rettern mehr Zeit zur Suche und zum Ausgraben bleibt. Das System sieht wie ein High-Tech-Schnorchel aus und ist in den Rucksack integriert. Im Falle eines Lawinenabgangs muss das Mundstück in den Mund genommen werden. Verschiedene Ventile sorgen dafür, dass bei einer Verschüttung die sauerstoffreiche Luft aus dem Schnee und die verbrauchte Luft nicht wieder eingeatmet wird, um nicht in kurzer Zeit zu ersticken. Preis: 170 bis 240 Euro.

Martin Engler: «Ein leichtes Instrument, das zwar nicht die Verschüttung verhindert, aber durchaus Sinn macht, wenn man mit Leuten unterwegs ist, die in der Suche mit dem Lawinenpiepser gut geschult sind.»

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