Krankenhaus-Verbund wäre Lösung für das Allgäu

Von Dirk Ambrosch, Kempten/München - Einige Krankenhäuser in der Region kämpfen derzeit aufgrund hoher Defizite ums Überleben (siehe auch nebenstehende Sonderseite 'Das aktuelle Thema') - und liegen damit in einem deutschlandweiten Trend. Wir sprachen mit Professor Günter Neubauer über die Misere der Kliniken. Neubauer gilt als einer renommiertesten Krankenhausexperten Deutschlands. Er lehrt an der Universität der Bundeswehr in München Volkswirtschaftlehre, insbesondere Sozial- und Gesundheitsökonomik. Nicht nur im Allgäu, auch deutschlandweit ist für viele Kliniken die Situation existenzbedrohend geworden. Was sind die Ursachen für dieses Phänomen? Prof. Neubauer: Das Problem der Krankenhäuser ist ein Problem des gesamten deutschen Gesundheitsnetzes. Man muss wissen, dass die gesetzlichen Krankenkassen allein ein Drittel ihrer Ausgaben für die Krankenhäuser aufwenden. Doch während die Einnahmen der Kassen seit Jahren aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Frühverrentung stagnieren, steigen dagegen die Ausgaben. Etwa durch medizinische Innovationen, bessere Technologien und hochwertige Geräte, das alles kostet einfach mehr Geld - und schließlich werden natürlich trotz geringerer Einnahmen nicht weniger Menschen krank. Eine denkbare schwierige Situation, da der Gesetzgeber den Kassen vorgibt, die Beiträge nicht anzuheben. Sind also allein die Rahmenbedingungen schuld an der Misere? Neubauer: Nun, die Rahmenbedingungen sind das eine. Man kann jedoch feststellen, dass etwa Kreise und Städte als Träger von Krankenhäusern mit der Situation schlechter fertig werden als private Träger. Warum? Weil zwei Drittel der Kosten eines Krankenhauses Personalkosten sind.

Kommunale Arbeitgeber sind an den Bundesangestelltentarif (BAT) gebunden. Das heißt: Das Personal erhält ein Gehalt das sich alle zwei Jahre automatisch erhöht, also altersabhängig ist. Zudem müssen die öffentlichen Träger Tarif- und Lohnsteigerungen von etwa 2,5 bis 4,5 Prozent ausgleichen. Die Privaten können dagegen eigene Haustarife mit leistungsbezogenen Zulagen abschließen. Das spart Geld. Ist die Privatisierung der einzig denkbare Weg zur Rettung eines Krankenhauses oder hat auch ein Haus in öffentlicher Hand noch Zukunftschancen? Neubauer: Die Privatisierung kann für viele Häuser eine Lösung sein. Damit ließen sich schon einmal die Personalkosten senken. Weiter sind die großen Klinikgsellschaften mit deutschlandweit jeweils 20 und mehr Häusern erfahrener im Management, stehen seit Jahren im Wettbewerb, arbeiten gewinnorientiert und zudem wirtschaftlicher, weil sie etwa weniger Personal in der Verwaltung beschäftigen. Allerdings kann sicherlich auch ein Haus mit einem kommunalen Träger überleben - wenn es gelingt, die Personalkosten zu senken und sich das Haus auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert. Wohin müsste sich die Krankenhauslandschaft im Allgäu entwickeln, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Neubauer: Für eine Region wie das Allgäu würde sich wirklich ein Krankenhaus-Verbund als Lösung anbieten. Über die Landkreisgrenzen hinweg, eine Art Allgäu AG. Das würde Kosten senken und die einzelnen Häuser könnten sich noch stärker spezialisieren. Die Entwicklung derzeit läuft jedoch auf jeweils unterschiedliche Eigentümer für die Häuser etwa in Kaufbeuren, im Oberallgäu oder Lindau hinaus. Und die machen sich letztlich gegenseitig Konkurrenz. Das ist auf mittlere Sicht für die einzelnen Krankenhäuser keine Lösung, um zu überleben.

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