Kaufbeuren
Körperverletzung: Heilpraktiker muss ins Gefängnis

Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 62-jähriger Heilpraktiker aus dem Ostallgäu zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Kaufbeurer Schöffengericht hielt es für erwiesen, dass der Mann im Mai 2008 einem Urlauber-Ehepaar aus dem Raum Trier zum abrupten Absetzen der Epilepsie-Medikamente seines behinderten Sohnes (28) geraten hatte. Stattdessen sollte der junge Mann mit Tees und Tropfen behandelt werden. In den folgenden Tagen - die Familie war inzwischen wieder zu Hause - verschlechterte sich sein Zustand immer mehr, bis er schließlich einen schweren Dauer-Krampfanfall erlitt.

Der medizinische Sachverständige erklärte vor Gericht, dass bei einem derartigen Anfall rund 20 Prozent der Patienten sterben. Im vorliegenden Fall konnte das Leben des 28-Jährigen gerettet werden. Der Chefarzt der behandelnden Klinik zeigte den Heilpraktiker an. Vor Gericht war sich der 62-Jährige jetzt keiner Schuld bewusst. Er sei damals «lediglich zur Beratung» zugezogen worden und habe mit der Familie über naturheilkundliche Behandlungsansätze gesprochen. Dass er dabei bezüglich der Medikamente des jungen Mannes das Wort «Vergiftung» verwendet hatte, hielt er durchaus für möglich. Keinesfalls habe er aber zum abrupten Absetzen der Präparate geraten. Diese waren von der Bonner Universitätsklinik verordnet worden, einem bundesweit führenden Zentrum für Epilepsie-Erkrankungen. Das Vorgehen der Eltern sei wohl auf ein Missverständnis zurückzuführen, so der Angeklagte.

Er habe nämlich bei Auftreten der Symptome gesagt, man solle seine Mittel absetzen.

Davon war laut der Eltern keine Rede gewesen: Beide waren sicher, dass der Angeklagte zum sofortigen Absetzen der schulmedizinischen Medikamente geraten habe. Im Vertrauen auf den Heilpraktiker riefen sie trotz zunehmender Krampf-Symptomatik ihres Sohnes zunächst keinen Arzt, sondern hielten sich bei wiederholtem Telefonkontakt mit dem Angeklagten an dessen Empfehlungen - bis schließlich doch ein Notarzt alarmiert wurde.

Das lange Zuwarten habe «ganz erheblich» zur Entwicklung der lebensgefährlichen Situation beigetragen, betonte der Verteidiger und beantragte für seinen Mandanten Freispruch.

Zwar war auch der Vorsitzende im Urteil durchaus der Ansicht, dass die Eltern « «die Anweisungen des Angeklagten in blindem Vertrauen bis zum Exzess befolgt haben.» Dies änderte für das Gericht aber nichts an der Verantwortung des 62-Jährigen, der bereits wegen Delikten vorbestraft ist, die in Zusammenhang mit seiner Berufsausübung stehen. Aus dem Gutachten gehe klar hervor, dass der Dauerkrampf «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» durch das abrupte Absetzen der Medikamente verursacht wurde.

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