Körperkontakt mit den Buben

Von unserem Mitarbeiter Tobias Schuhwerk, Sonthofen/Füssen - Eigentlich würde sich die Eishockey-Torhüterin Jennifer Harß gern mit gleichaltrigen Mädchen messen, doch dieser Wunsch bleibt der 14jährigen verwehrt: 'In meiner Sportart gibt es leider keinen Liga-Betrieb für Mädchen.' Dafür aber eine Auswahl: Die Füssener Realschülerin ist das jüngste Mitglied der Frauen-Nationalmannschaft. Bundestrainer Peter Kathan hat die 'Jenny', wie sie allseits gerufen wird, kürzlich zum Lehrgang nach Füssen eingeladen, wo sie immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens steht. Die beiden Torfrauen Nummer eins und zwei im deutschen Team, Steffi Wartosch-Kürten und Esther Thyssen, hatten das Kadertraining nämlich abgesagt. 'Jetzt kann ich zeigen, was ich drauf habe', freut sich Jenny Harß. Dass sie ihren Kasten außergewöhnlich gut verteidigen kann, hat sich herumgesprochen in der Szene. 'Ganz klar: Ihr gehört die Perspektive in der Nationalmannschaft. Sie hat sich sehr gut entwickelt', sagt beispielsweise die 155fache Nationalspielerin Natascha Tomczyk, die kommende Saison zusammen mit Jenny Harß für Bundesliga-Neuling ERC Sonthofen auf Punktejagd gehen wird. Als äußere Einflüsse für ihren Aufstieg macht die Achtklässlerin ihren Vater Gerhard Harß und die Bubenmannschaften des EV Füssen verantwortlich. Der eine entdeckte als Eishockey-Trainer ihr Talent, die anderen halfen ihr, es zu entfalten. Jenny Harß trainiert bei den Buben mit und hat sich deshalb an ein 'schnelles Spiel mit viel mehr Körperkontakt als bei den Frauen' gewöhnt. Ein Spiel, dass sie kennt, seit sie als Mädchen den Eishockey-Männern des EV Füssen zuschaute. Im BLZ fand sie ihre ersten Vorbilder: die Torhüter Christian Rohde (19) und Alexander Jung (23). In die Nationalmannschaft der Erwachsenen hat es von den beiden freilich (noch?) keiner geschafft. Dafür aber Jenny Harß.

Nicht mehr Lebensinhalt Dagegen bleibt ein Wiedersehen mit der Nationalmannschaft für die Stürmerin Natascha Tomczyk und die Verteidigerin Sonja Kuisle (beide ERC Sonthofen) vorerst aus. Zwar hat der neue Bundestrainer Peter Kathan die unter seinem Vorgänger Rainer Nittel in Ungnade gefallenen Spielerinnen erstmals wieder gemeinsam für einen Lehrgang nominiert. Doch die beiden international erfahrenen Puckspezialistinnen erteilten Kathan eine Absage. Sonja Kuisle (24) begründet sie mit ihrer derzeitigen beruflichen Situation. Natascha Tomczyk machte eine Rückkehr ins Nationalteam von der Stimmung der Mannschaft abhängig: 'Ich habe dem Bundestrainer gesagt, er soll sich erst einmal eine Bild davon machen. Aufdrängen will ich mich nicht.' Tomczyk war vor den olympischen Spielen von Bundestrainer Rainer Nittel wegen angeblich mannschaftsschädigendem Verhalten aus dem Kader geworfen worden. Sie verlor in der Folge die Zugehörigkeit zur Sportfördergruppe der Bundeswehr und absolviert mittlerweile ein Fernstudium (Fitness Ökonomie) an einer privaten Akademie. Seither habe sie erkannt, 'dass Eishockey nicht mehr mein Lebensinhalt ist.' Trotz dem vorläufigen Verzicht von Tomczyk und Kuisle sind derzeit noch zwei Allgäuerinnen im Nationalmannschafts-Kader: Jenny Harß (Füssen) und Nicole Moller (Pfronten), die künftig beide beim ERC Sonthofen spielen werden.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018