Kempten
Klamauk und Kabarett

Gibt es in manchen islamischen Ländern spezielle «Geschäfte für Aufruhrbedarf»? Denn irgendwo müssen «übermotivierte Araber» ja ganz schnell die Fahnen herbekommen, damit sie diese möglichst zeitnah öffentlich verbrennen können zum Beispiel, wenn sie sich über Karikaturen aufregen. Und welcher Araber hat da gerade eine Flagge von Dänemark zur Hand?

Diese Fragen sind nicht neu, aber der Kabarettist Günter Grünwald ist einer der wenigen, die sich trauen, sie zu stellen. Damit zählen sie zum seit Jahren bewährten Teil des aktuellen Programms «Gestern war heute morgen». Mit diesem begeisterte der Ingolstädter über 1400 Fans in der Kemptener Big Box. Dabei ging er immer wieder den schmalen Grat zwischen herrlich sinnfreiem Klamauk einerseits und Sprüchen, bei denen dem Publikum das Lachen im Hals stecken blieb, andererseits.

Zum Beispiel, wenn es ums Thema Religion ging. Da lachte jeder gern laut heraus, wenn extreme Islamisten ihr Fett wegbekamen. Und die Zeugen Jehovas? Auch da konnte die Mehrheit über eine Minderheit schmunzeln. Aber sich nur anzubiedern ist Grünwalds Sache nicht. Deswegen gerieten im allgemeinen Glaubens-Rundumschlag auch jene katholischen Priester ins Visier, «die sich an Ministranten vergreifen».

Und plötzlich wurde das Lachen im Publikum weniger entspannt. Da entpuppte sich die gefühlte Distanz zu Grünwalds Spott-Themen als deutlich kleiner.

Ähnlich erging es dem Publikum wohl, als der 53-Jährige ein anderes Kinderthema aufs Korn nahm: Handys. «Müssen Schüler immer telefonisch erreichbar sein?», so seine provokante Frage. «Platzen die Kinder», wenn sie mal zehn Minuten vor der Schule auf die Eltern warten müssen, ohne dass sie über die Verspätung per Handy informiert werden? Und überhaupt: Müssen Kinder immer mit dem Auto in die Schule gefahren werden?

Höhepunkte waren auch Grünwalds Ausführungen zum Thema Klebeband. Sie endeten damit, dass er mit einem kleinen Stück des schwarzen Bandes unter der Nase den Hitler gab, um sich vor braunen Übergriffen zu schützen.

Das gute Programm hatte aber auch einen Durchhänger: Der betrunken herumlallende Onkel Hans hat als Vorbild für Sketche seine besten Tage hinter sich. Treffender waren Grünwalds skurril-schrägen Ansichten über den Wahnsinn des täglichen Lebens, etwa zu den Themen Katzenklappe oder Telefonsex.

Nächste Auftritte in der Region: 8. Februar (20 Uhr) im Kurhaus Schwangau, 18. Mai (20 Uhr) im Kurhaus Isny, 25. August (20 Uhr) in Hofgarten-Stadthalle Immenstadt, 13. November (20 Uhr) im Kurhaus Bad Wörishofen, 8. Dezember (20 Uhr) im Modeon Marktoberdorf.

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