Kempten
Keine Liebe auf den schnellen Blick, aber eine Menge Spaß

Es wirkt ein wenig wie früher in der Tanzschule: Strikt getrennt stehen die Männer und Frauen zwischen 27 und 36 Jahren in zwei Grüppchen in Maiers Essbar in Kempten. Es wird geguckt, getuschelt, gelacht. Die 19 Teilnehmer des ersten Allgäuer Speed-Dating sind sichtlich nervös.

Speed-Dating ist ein Trend, der aus Amerika kommt und so viel wie Express-Verabredung bedeutet (siehe Infokasten): Die Partnersuche für den modernen Single.

Peinliches Schweigen? Fehlanzeige

Bis auf eine Dame sind alle Teilnehmer erschienen und werden nun an die Tische gesetzt - ein Mann muss eben immer aussetzen. Noch kurz die Regeln erklärt, ertönt schon der erste Gong und der Flirt-Marathon kann beginnen. Peinliches Schweigen? Fehlanzeige. Sofort plappern die Männer und Frauen los und scheinen sich einiges zu erzählen zu haben. Sollte einem einmal so gar nichts einfallen, liegt auf jedem Tisch zur Hilfestellung eine Liste mit Fragen wie «Was bemerkst du als erstes am anderen Geschlecht?» .

Hilfe scheint jedoch völlig überflüssig. «Man redet natürlich als erstes über seinen Beruf und seine Hobbies», sagt der 32-jährige Richard aus Kempten nach seinem ersten Date, das er «sehr sympathisch» fand. Und auch Matthias aus Pfronten gesteht, dass die Gespräche schon «nach einem festen Schema ablaufen». Häufig besprochen werde natürlich auch, warum man sich auf das Abenteuer eingelassen habe. Der 31-jährige Matthias erzählt, dass er schon immer mal bei dieser Art von Kennenlernen mitmachen wollte: «Nachdem ich die Aktion im Internet entdeckt habe, hat es aber noch vier Wochen gedauert bis ich mich angemeldet habe, weil ich feige war», lacht der dunkelhaarige gebürtige Franke.

Beim nächsten Gong blicken die Teilnehmer erschrocken auf. «Die sechs Minuten vergehen wirklich wie im Fluge», meint die 29-jährige Christine aus dem Ostallgäu. Sie weiß genau, worauf sie bei ihrem Gegenüber achtet, noch bevor er sich hinsetzt: «Natürlich auf die Körpergröße, denn ich bin selbst relativ groß». Bisher sei für sie niemand dabei gewesen, aber enttäuscht sei sie deshalb nicht. «Wenn man hofft, an einem solchen Abend den Traummann zu finden, ist das die falsche Einstellung».

Ihre Freundin Melanie sieht das ähnlich: «Den Mann fürs Leben lernt man hier sicher nicht kennen, aber vielleicht ein paar nette Leute», sagt die 31-Jährige. «Am Anfang bin ich mir echt blöd vorgekommen und habe überlegt, ob ich so etwas nötig habe», gesteht sie. «Aber es ist echt lustig hier und die Mischung der Charaktere und Typen ist sehr bunt.

» Da scheint für jeden etwas dabei zu sein - zumindest optisch. Denn auch das Aussehen zählt, sind sich alle einig. Nur Andrea (30) weiß schon nach der Hälfte: «Für mich ist hier definitiv niemand dabei. Ich bin leider sehr wählerisch.»

Nach den zehn anstrengenden Runden ist alle Nervosität verschwunden: Es gibt keine Grüppchenbildung mehr, alle stehen bunt gemischt an der Bar. Ob sich da einige Tanzpaare fürs Leben gefunden haben? Carolin Hölter (27) und ihr Freund Thomas Hug (29) sind jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis ihrer ersten selbst organisierten Veranstaltung: «Wir haben noch in der Nacht alle Fragebögen ausgewertet und sechs Paare wollen sich wieder sehen.» Ausgang ungewiss.

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