Ofterschwang
«Kein Chef, der einem über die Schulter guckt»

Mit 18 Jahren selbstständige Unternehmerin - das kann Alexandra Hörmann getrost von sich behaupten. Ganz allein führt sie ihren Betrieb allerdings nicht. Zusammen mit vier Kollegen betreibt die Auszubildende des Fünf-Sterne-Hotels Sonnenalp im Oberallgäuer Ofterschwang das nahegelegene Restaurant «Inizio». Jeweils für ein halbes Jahr dürfen sich die fünf besten Lehrlinge der Sonnenalp in dieser Aufgabe beweisen und dabei fürs (Berufs-)Leben lernen.

Die Schüler der achten Klassen praktisch aller Allgäuer Haupt- und Realschulen, die an der Allgäuer Berufsoffensive (siehe auch gegenüberliegende Seite) teilnehmen, bekommen unter anderem ein Exemplar des Planspiels Hotel. Mit ihm können sie in der Theorie einen eigenen Betrieb planen. Für Alexandra Hörmann und ihre Kollegen Ina Grimm, Vroni Schmid, Stefan Junghanns und Lukas Zawadski ist aus Theorie seit Juli im «Inizio» Praxis geworden.

«Wir müssen wirklich alles selber machen. Vom Dienstplan über die Dekoration bis zur Menüplanung», erzählt die 24-jährige Ina. «Am Anfang war das ganz schön schwierig, aber inzwischen harmonieren wir total gut.» Und sie haben viel Spaß bei ihrer neuen Aufgabe, sind sich alle einig. «Das Projekt ist eine super Chance für uns, Eigenständigkeit zu lernen. Ohne einen Chef, der einem dabei über die Schulter guckt», sagt Ina.

Für die Probleme, die natürlich ab und an auftauchen, gibt es zwei Paten, die einmal pro Woche im Restaurant nach dem Rechten sehen. In Notfällen stehen sie natürlich auch spontan zur Seite. «Das kommt aber eigentlich nie vor», erzählt Jürgen Janneck, Marketing-Leiter der Sonnenalp. Ausgedacht habe man sich das Projekt, um den Lehrlingen einen Ansporn zu geben getreu dem Motto: Leistung muss sich lohnen. «Natürlich setzen wir viel Vertrauen in die jungen Leute. Aber wir bilden sie ja selbst aus und wissen deshalb, dass sie das können», sagt Janneck.

Keine größere Panne

Und auch die Auszubildenden berichten stolz, dass bisher noch keine größere Panne vorgekommen ist. Und das, obwohl die Fünf mit der Dreifachbelastung Restaurant, Berufsschule und Prüfungsvorbereitung kämpfen. Denn im Januar schließen sie ihre Ausbildung ab.

Auch kurz vor dem Ende ihrer dreijährigen Lehre sind Ina und Alexandra noch Feuer und Flamme für den Beruf. «Ich würde die Ausbildung zur Restaurantfachfrau jederzeit wieder machen», sagt Ina. Und auch Alexandra hat in der Ausbildung zur Hotelfachfrau ihr Steckenpferd gefunden: «Ich möchte später im Rezeptionsbereich arbeiten».

Freundlichkeit und Flexibilität

«Wer sich für einen Beruf in der Hotel- oder Gastronomiebranche entscheidet, muss sich natürlich auch über die Schattenseiten klar sein», sagt Ina. «Kaum ein freies Wochenende, Schichtdienste bis spät in die Nacht, harte körperliche Arbeit und viel Kontakt zu Fremden - darauf muss man sich einstellen», zählt Alexandra auf. «Freundlichkeit und Flexibilität», das wissen die Mädchen, «sind das A und O in unserem Beruf.»

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