Kempten
«Jetzt schwimmen wir uns frei»

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Nicht immer treffen Sprichwörter ins Schwarze. «Viele Köche verderben den Brei» ist so ein Spruch. «Viele Köche machen den Brei erst gut», könnte eine Abwandlung heißen, die auf das Büro «F64 Architekten» zutrifft. Gleich fünf leitende Architekten reden hier gern und viel über Architektur-Wettbewerbe oder andere Bauprojekte. «Es ist manchmal ein mühsamer Weg, aber das Ergebnis wird dadurch nur besser», sagt Rainer Lindermayr, der mit seinen «F64»-Kollegen zweimal mit dem Allgäuer Baupreis 2009 ausgezeichnet wurde (wir berichteten).

«Nein, ein Rezeptbuch für die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben haben wir nicht», sagt Stephan Walter und lacht. «Man muss aber immer nah dran sein am Projekt.» Sein Kollege Martin Kopp nickt und ergänzt: «Diskussionen sind wichtig.»

Einen Chef, der klar die Richtung vorgibt oder gar ein Machtwort spricht, sucht man in dem Kemptener Büro vergebens. Entscheidungen werden bei den «F64»ern - der Name leitet sich aus der Büroadresse (Füssener Straße 64) ab - stets mehrheitlich getroffen. «Bauen ist immer ein dialogischer Prozess», sagt Thomas Meusburger, der seit 1. Januar mit Philip Leube neu im «F64»-Architekten-Team ist. «Für uns ist jedes Gebäude ein Referenzobjekt», betont Lindermayr. Durch ausgiebige, interne Diskussionen möchten die «F64»er die Diskussion der Öffentlichkeit - ob bei Bauherren oder Bauämtern - vorwegnehmen.

In der Praxis sieht das so aus: Jeder der fünf Architekten (die gleichzeitig auch «F64»-Geschäftsführer sind) betreut ein Projekt, dessen Entwicklung er regelmäßig den Kollegen vorstellt. Gerade bei Wettbewerben hat sich dieser Weg als erfolgreich erwiesen. «Letztlich erreichen wir dadurch immer eine Optimierung», sagt Walter. Wer nun denkt, dabei gehe es immer rational zu, der irrt. «Bei uns ist immer auch viel Emotionalität, Intuition und Bauchgefühl mit im Spiel», betont Meusburger.

Individualität als Stilprinzip

«Der Bauherr soll immer zufrieden sein mit seinem Haus», lautet eine «F64»-Maxime. Doch bis dort sei es oftmals ein weiter Weg, auf dem mit dem Bauherrn ebenso viel geredet werden müsse, wie mit Behörden oder Baufirmen. «Ein Autoverkäufer hat ein konkretes Modell, das er verkauft.

Wir Architekten verkaufen etwas Virtuelles», sagt Lindermayr. Einen «F64»-Stil gebe es nicht. «Wir produzieren sehr individuelle Gebäude.» Und dazu gehören Einfamilien- oder Geschäftshäuser ebenso wie Schulen oder Turnhallen. Wenn Lindermayr an die Anfänge des Büros 2003 zurückdenkt, muss er schmunzeln. «Wir haben eigentlich bei Null begonnen.» Für junge Architektur-Büros sei es in Deutschland schwierig sich zu etablieren, so Meusburger. Die Auftragsvergabe verlaufe oft über Referenzen. Doch die könne man als Neuling nicht vorweisen.

Nach sechs Jahren hat das «F64»-Büro mit seinen heute insgesamt 14 Mitarbeitern diese Hürde gemeistert. Und Stephan Walter bringt es auf den Punkt: «Jetzt schwimmen wir uns frei.»

www.f64architekten.de

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