Jahrelange Vorfreude

Memmingen (mib). - Es gibt Bücher, die werden nach dem Lesen schon mal achtlos ins Eck gepfeffert. Eselsohren, Schokoladen- oder Rotweinflecken inklusive. Und es gibt Bücher, bei denen das nicht vorstellbar wäre. Werke der Olympischen Sport Bibliothek (OSB) gehören dazu. Allein schon, weil ein Exemplar je nach Ausfertigung zwischen 55 und 185 Euro kostet. Weitere Exklusivität ergibt sich aus der Tatsache, dass nur Firmen, Behörden und Vereine die Produkte der OSB bestellen können. Auch für Ute Kühndahl ist jeder dieser edlen Bildbände - die besten Sportfotografen der Welt reichen dafür ihre Arbeiten ein - 'etwas ganz Außergewöhnliches'. Die Memmingerin ist Repräsentantin für die OSB im Allgäu. Seit über 28 Jahren versucht sie Firmeninhaber, Geschäftsführer, Bürgermeister oder Landräte vom Erwerb der Hochglanz-Produkte zu überzeugen. Sie tut dies mit dem gleichen Enthusiasmus wie zu Beginn. 'Ich weiß, dass ich mit meiner Tätigkeit etwas Gutes tue. Das gibt mir Motivation, selbst wenn einmal nichts läuft', sagt die gelernte Kauffrau. Denn zirka die Hälfte des Gewinns kommt der Stiftung Deutsche Sporthilfe (mit dem Deutschen Behindertensportverband) und 'Jugend trainiert für Olympia' zugute.

Über 12 Millionen Euro waren das seit der OSB-Gründung 1969. 'Meine Damen, sie sind die Apostel des Sports', begrüßte deshalb Sporthilfe-Gründer Josef Neckermann die OSB-Repräsentanten bei einem Treffen. 120 Frauen aber nur drei Männer sind deutschlandweit für die OSB im Einsatz. Für Kühndahl hat das zwei Gründe. Zum einen seien den meisten Männern die Verdienstmöglichkeiten nicht groß genug. Zum anderen unterliegen die Verkaufsgespräche eigenen Gesetzen. 'In der Geschäftswelt finden sich noch überwiegend männliche Chefs. Das Spiel zwischen Mann und Frau ist immer noch etwas anderes, als wenn ein Mann ankommt', so Kühndahl. Die Behörden bestellten aufgrund der allgemeinen Finanznot nicht mehr so fleißig wie früher, doch bei vielen Firmen seien die exklusiven Produkte gerade als Präsente weiter gefragt. Neben den Bildbänden, die verschiedene Aspekte des Sports beleuchten, gehören auch Kunstdrucke, Grußkarten oder seit neuestem ein Tee-Humidor zum Angebot. 'Das ist eine Art, wie die Firmen dem Sport helfen können, ohne spenden zu müssen', sagt Kühndahl. Auch nach knapp drei Jahrzehnten haben die exklusiven Bände für die Memmingerin nichts von ihrer Faszination verloren. Geschweige denn von der Vorfreude auf ein neues Buch. So hat Kühndahl schon seit dreieinhalb Jahren den Band über die Olympischen Spiele in Athen 2004 verkauft. Gesehen hat sie aber natürlich noch keinen, schließlich sind die Spiele erst im Sommer. 'Wenn ich dann den ersten Band in der Hand halte, bin ich beseelt wie vom Champagner', erzählt sie mit strahlenden Augen.

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