Kempten / Kaufbeuren
Im Vollrausch zugeschlagen

Zwölf bis 13 Halbe Bier hatte er laut Staatsanwaltschaft getrunken, drei litergroße Cognac-Biermixgetränke und dann noch eine Dose Whiskey-Cola: Als ein 41-Jähriger im vergangenen August zu später Stunde auf einer privaten Geburtstagsparty an der Wertach in Kaufbeuren erschien, war er schon reichlich betrunken.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein handfester Streit mit einem 27 Jahre alten Mann. Schließlich schlug der 41-Jährige zu, verletzte seinen Kontrahenten lebensgefährlich. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn das Kemptener Landgericht gestern zu einer viereinhalbjährigen Freiheitsstrafe. Außerdem muss der einschlägig vorbestrafte gelernte Maler und Lackierer eine Alkohol- Entziehungskur absolvieren.

«Nicht in meinem Sinne»

«Was passiert ist, war nicht in meinem Sinne», sagte der angeklagte 41-Jährige gestern nach Verlesung der Anklageschrift. Keinesfalls aber habe er seinen Kontrahenten umbringen wollen, betonte er. Die Staatsanwaltschaft warf ihm versuchte Tötung vor.

Bei jener Auseinandersetzung schlug der Angeklagte dem 27-Jährigen laut Staatsanwaltschaft zunächst mit der Faust ins Gesicht, wodurch dieser unter anderem eine Hirnquetschung erlitt. Zudem wurden bei ihm später eine Stirnhöhlenfraktur und eine Platzwunde im Bereich der linken Augenbraue festgestellt. Das Opfer leide «nach wie vor unter Gedächtnisstörungen», heißt es in der Anklageschrift.

Im Schwitzkasten

Der 27-Jährige soll schon kampfunfähig am Boden gelegen haben, als der betrunkene 41 Jahre alte Mann ihn in den Schwitzkasten nahm und würgte. Dabei habe er laut Anklage gesagt: «Ich mach ihn kalt und brech ihm das Genick».

Er könne sich an die Geschehnisse nur «schemenhaft» erinnern, so der Angeklagte gestern: «Ich weiß es wirklich nicht.» Er habe niemand umbringen wollen, habe seinen Kontrahenten ja bis zu jenem Abend nicht einmal gekannt.

Erst als andere Partygäste bei der Schlägerei eingriffen, konnte der betrunkene 41-Jährige beschwichtigt werden. Er entfernte sich schließlich per Taxi vom Tatort, während der 27-Jährige mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde.

Auch das Opfer hatte reichlich getrunken: Bei ihm wurden 2,6 Promille gemessen.

Der Staatsanwalt forderte in der gestrigen Verhandlung eine fünfeinhalbjährige Freiheitsstrafe für den einschlägig Vorbestraften wegen versuchten Totschlags. Demgegenüber hielt der Verteidiger des Mannes 14 Monate wegen gefährlicher Körperverletzung für ausreichend.

Nach dem Urteilsspruch - viereinhalb Jahre Gefängnis und Aufenthalt in einer Entzugsanstalt - muss der Mann nun voraussichtlich etwa ein Jahr in einem Gefängnis absitzen und dann zunächst einen Entzug machen. Je nach Führungsverhalten und Therapieerfolg müsste er danach einen weiteren Teil seiner Strafe verbüßen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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