Hoffen auf den Geist von Oberstaufen

Von unserem Mitarbeiter Roland Wiedemann, Oberstaufen - 'Wenn meine Oma ein Bus wäre, könnte sie hupen.' Dieter Eilts soll diesen Satz einmal von sich gegeben haben, als die Journalisten wie so häufig wild spekulierten. Möglicherweise hat Eilts schon gewusst, dass Otto Rehhagel dem DFB einen Korb geben wird, als sich der Ostfriese mit dem ihm eigenen Humor wieder mal über die Phantasie der Medienvertreter amüsierte. Zu einem Zeitpunkt, als die ihn schon zum Assistenten seines Ex-Trainers beim DFB gemacht hatten, sagte er trocken: 'Ich habe gehört, Willi Lemke soll Rehhagels Co-Trainer werden.' Inzwischen steht fest: König Otto bleibt dem griechischen Verband treu, Willi Lemke, der frühere Werder-Manager, ist weiterhin Bremens Bildungssenator, Dieter Eilts' Oma hat sich nicht in einen Bus verwandelt und ihr Enkel betreut auch in Zukunft die deutsche U19-Nationalmannschaft. Tatsache ist zudem, dass sich der 39-Jährige mit seinem Team seit vergangenem Dienstag in Oberstaufen auf die EM vorbereitet.

Erinnerung an Werder-Zeiten Eilts kennt das Hotel 'evviva'-Hotel des ehemaligen Werder-Spielers Kalle Riedle und das nahegelegene Trainingsgelände aus seiner Zeit als Nachwuchs-Trainer beim SV Werder Bremen. Zudem sprach die Nähe zur Schweiz für das Quartier in Oberstaufen. Der 31-fache Nationalspieler, der in den 90-er Jahren wie kaum ein anderer die deutschen Fußballertugenden (kämpfen und rennen) verkörperte, will seine Schützlinge im Oberallgäu auf die so wichtige Aufgabe vorbereiten. Ab Dienstag geht es nicht nur um den Europameistertitel, sondern um die Qualifikation für die WM im kommenden Jahr. Die besten sechs der acht Teams in der Schweiz kommen weiter. 'Die WM-Quali ist unser Minimalziel', erklärt der Teamchef. Der DFB-Delegation mit Dieter Eilts an der Spitze darf man durchaus mehr zutrauen. Die Hoffnungsträger des deutschen Fußballs haben in der EM-Qualifikation alle drei Spiele gewonnen. Sogar die so flinken und technisch versierten Portugiesen wurden 1:0 besiegt. Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit schaffte Eilts mit seiner Elf, was einer DFB-Auswahl niemand mehr zugetraut hat. In den zehn Spielen unter seiner Leitung gab es seit Juli 2003 sechs Siege und vier Unentschieden. Und dennoch sprechen momentan alle nur von der Krise des deutschen Fußballs, von den fehlenden Talenten und der möglichen Blamage bei der WM im eigenen Land 2006. Das ärgert Dieter Eilts. 'Jeder schreit nach jungen Spielern. Doch von unseren Erfolgen nimmt kaum jemand Notiz. Läuft es aber in der Schweiz nicht, wird auf uns von allen Seiten eingeschlagen.' Am Dienstag wartet in Fribourg mit Spanien der erste Prüfstein auf die DFB-Auswahl. Nur zu gern möchte Dieter Eilts dabei an den Geist von Oberstaufen glauben. 'Meine Spieler sind selbstbewusst und vertrauen auf ihre Stärken', gibt er sich optimistisch. Es macht Mut, dass es solche Kicker beim DFB noch gibt.

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