Gastronomie nicht nur nach Preisen bewerten

Allgäu(mic). - Wer heute zum Essen geht, legt dafür zum Teil beachtliche Summen hin. Die Preise in heimischen Gaststätten sind laut führenden Gastronomen jedoch gerechtfertig. Schon jetzt hätten die meisten Wirte keinen preislichen Spielraum mehr. Gastronomen äußern sich zu den Preisen in den heimischen Gaststätten und erklären, welche Ursachen zu regionalen Preisunterschieden führen. 'Preise in der Gastronomie sind abhängig von verschiedenen Rahmenfaktoren', sagt Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Hoga). Das Lohnniveau in einer Region sowie der Einkauf machten zusammen 70 Prozent des Endpreises aus. Seien also Löhne, Mieten und Einkauf in strukturschwächeren Gegenden wie Niederbayern oder Regionen Frankens günstiger, so könnten auch die Gastronomen billigere Speisen anbieten. München im Vergleich ist aus gleichem Grund ein wesentlich teureres Pflaster als das Allgäu. Ebenso sieht es laut führenden Gastronomen innerhalb der Region aus: In touristischen Orten wie Oberstdorf zahlt ein Wirt mehr Pacht und vermutlich auch höhere Lohnkosten als ein Dorfwirt in einer abgelegenen Gemeinde. Daraus können sich auch hier Preisunterschiede auf den Speisekarten ergeben. Gerade die teureren Einkaufspreise machen sich laut Willi Sauerhering, Hoga-Vorsitzendem für Kempten Stadt und Land, in den Gaststätten bemerkbar. 'Für Lebensmittel zahle ich 20 bis 30 Prozent mehr als vor der Euroeinführung', sagt er. Während früher seine Angestellten für den Einkauf zuständig waren, betreut er diesen heute selbst. Zudem macht er kleinere Portionen, bietet den Gästen einen kostenlosen Nachschlag an und vermeidet damit unnötige Lebensmittelabfälle. 'Dadurch konnten wir die Preissteigerung mit 10 bis 15 Prozent relativ gering halten', sagt er. Dabei ist der Umsatz in der Region jedoch gesunken. Berechnungen zufolge von 2002 auf 2003 im Hotel- und Gaststättengewerbe im Raum Kempten um 5,7 Prozent. 'Um überhaupt noch wirtschaftlich zu arbeiten, bewegen sich viele Gastronomen schon jetzt an der untersten Grenze', bestätigt der Füssener Hoga-Vorsitzende Wolfgang Sommer.

Sparsam im Freizeitbereich Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch die Gäste mehr sparen, als früher. 'Hotels und Gaststätten sind stets die ersten, die Wirtschaftskrisen spüren, aber die letzten, die wieder herauskommen', sagt der Münchener Hoga-Pressesprecher John. Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sparten die Leute zunächst einmal stets im Freizeitbereich: 'Sie verreisen nicht nur seltener, sondern geben auch im Urlaub selbst weniger Geld aus. Wer ins Restaurant geht, verzichtet heute oft auf Vorspeise oder Nachtisch.' Der Oberallgäuer Hoga-Vorsitzende Robert Frank verweist ferner darauf, dass Gaststätten nicht allein nach Preislisten beurteilbar seien. 'Wenn ein Produkt seinen Preis nicht wert ist, zahlt der Kunde beim heutigen Angebot auf Dauer nicht dafür', sagt der Gastronom. Im Allgäu setzten viele Wirte auf eine überdurchschnittliche Qualität. 'Würden wir nur nach der Preisliste beurteilt, dürften wir nicht Bioprodukte beim Bauern nebenan einkaufen', ergänzt Frank. Dass einige 'schwarze Schafe' mit der Euroumstellung in der Tat überdurchschnittlich aufgeschlagen haben, leugnet keiner der Hoga-Vorsitzenden. 'Aber man darf nicht vergessen: Das waren nur wenige. Die Mehrheit der Gastronomen hat sich preis- und gastbewusst verhalten, sonst könnten sie in so wirtschaftlich schwierigen Zeiten gar nicht überleben', sagt Willi Sauerhering.

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