Isny
Für Romeo verzichtet Julia auf den Flug in den Süden

Die Bedeutung des Wortes Zugvogel ist Romeo fremd. Dabei zählt das Storchenmännchen aus Isny (Kreis Ravensburg) ganz klar zu dieser Kategorie. «Aber Romeo ist ein ausgewilderter Aufzuchtstorch», sagt Jürgen Tischer vom Storchennestteam Isny, das sich dort um die Tiere kümmert. Er sei noch nie weiter als nach Salem am Bodensee gezogen, um zu überwintern.

Und mittlerweile bleibt Storchendame Julia treu an seiner Seite. Die beiden bewohnen seit 2000 ein Nest auf dem Rathausdach in Insy und verbringen heuer den dritten Winter dort zusammen. «Julia war am Anfang noch regelmäßig weg», sagt Tischer. «Allerdings kam sie immer recht früh zurück.» Aus diesem Grund geht er davon aus, dass sie nicht weiter als bis in die Gegend um Basel und Freiburg gezogen ist - statt storchentypisch nach Afrika oder Südeuropa.

«Wir versuchen, die beiden zum Zug zu bewegen, indem wir erst zufüttern, wenn es nicht anders geht», sagt Tischer. Geklappt hat das bisher nicht. Das mag mitunter an den recht milden Wintern liegen.

Denn «Weißstörche treten ihre Reise nur wegen Nahrungsknappheit an, und solange der Boden nicht dauerhaft gefroren ist oder eine geschlossene Schneedecke liegt, finden sie hier genug zu fressen», so Oda Wieding, Storchenbeauftragte vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die Kälte an sich mache einem großen Vogel wie dem Storch wenig aus. Er könne Wärme besser speichern als kleine Vögel wie Meise und Spatz, die immer bei uns überwintern. Und ist es Romeo und Julia doch zu kalt oder zu windig auf dem Rathaus, suchen sie sich einen geschützteren Platz, weiß Tischer. Manchmal stehen sie in der Isnyer Ach, weil das Wasser wärmer ist als die Luft. Die beunruhigten Bürger, die sich beim Storchennestteam melden, brauchen sich demnach nicht zu sorgen. Problematisch wird es für Weißstörche laut Wieding erst, wenn sie bei anhaltendem Winterwetter tagelang keine Nahrung finden.

Ist das der Fall, füttert das Storchennestteam Romeo und Julia mit Eintagsküken und Fischsetzlingen. Sobald die Wiesen wieder aufgehen, wird diese Zugabe aber eingestellt, damit die Tiere nicht zu sehr vom Menschen abhängig werden.

Kaum ein Problem

Ein Winter im Allgäu ist für Romeo und Juli also kaum ein Problem. Allerdings, sagt Tischer, brüten sie in der Folge bereits im März, wenn es manchmal noch verschneit ist. Den Eiern macht das zwar nichts aus, den Jungtieren dagegen schon. Solange sie noch ihr Flaumgefieder haben, brauchen sie es warm und trocken, um zu überleben.

Damit der Horst auf dem Rathaus genug Schutz bietet, reinigt das Storchennest-Team ihn jedenHerbst. «Dann holen wir kiloweise Schlamm und Dreck heraus», sagt Tischer. Bleibt dieser Schmutz im Nest, fließt das Wasser nicht mehr gut ab und die Jungtiere erfrieren oder ertrinken. Der diesjährige Nachwuchs übrigens hat die Bedeutung des Wortes Zugvogel erkannt. «Die Jungstörche sind Mitte, Ende August ganz normal weggezogen», berichtet Tischer.

Infos zu den Isnyer Störche gibt es auch im Internet: www.isny.tv

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