Früher hieß es: Die Ökospinner

Oberstaufen-Aach | rio | Es ist Idylle pur: Schmuckes Holzhaus reiht sich an schmuckes Holzhaus, ein Teich ziert den begrünten Dorfplatz. Edmund Brams kommt von der Arbeit, stellt sein ölbetriebenes Auto ab und macht es sich im Wohnzimmer bequem - bei knisterndem Kaminfeuer und mit Ziegenkäse, den die Nachbarn selbst gemacht haben.

Brams ist der Gründer der 'Ökosiedlung' in Aach bei Oberstaufen. Als er vor 15 Jahren seinen Lebenstraum in Angriff nahm, schwebte ihm völlige Autarkie vor. 'Mir war wichtig, unabhängig zu sein', erzählt er. Er wollte ein Dorf im Dorf, das sich nicht nur energetisch selbst versorgt, sondern auch eigene Lebensmittel produziert.

Das hat nicht ganz geklappt. 'Wir haben den notwendigen Grund nicht erwerben können, um genügend Tiere zu halten', bedauert der 49-Jährige. Zwar gibt es ein paar Ziegen in der Siedlung, aber die reichen bei weitem nicht aus. Auch an anderer Stelle musste der Idealist Abstriche machen: Gegen seinen ursprünglichen Plan einer autofreien Gemeinschaft, reiht sich heute Carport an Carport. 'Das geht einfach nicht anders - Aach ist zu abgeschieden', erklärt Brams. Am Anfang habe es außerdem technische Probleme mit der Energiezentrale gegeben, die Bewohner seien unzufrieden gewesen. Einige sind weggezogen, neue kamen hinzu.

Tilmann Neubronner hat mit seiner Familie mehrere Jahre in Aach gelebt. Dass er zurück in seine Heimatstadt Bremen zog, habe familiäre Gründe gehabt, erzählt er. 'Das Konzept von Edmund Brams finden wir nach wie vor klasse. Wir haben uns in Aach sehr wohl gefühlt.' Erich Reisinger, der seit ihrer Gründung in der Siedlung wohnt, schätzt in erster Linie die Ruhe. 'Ich lebe gern hier', sagt er. Sein Nachbar Fritz Krämer ist vor allem stolz auf den Dorfplatz mit Teich: Der Gärtner hat ihn zusammen mit den anderen 'Siedlern' selbst gestaltet. Regelmäßig ist 'Aktionstag', an dem alle aufgefordert sind, sich an der Gartenarbeit zu beteiligen. Auch den Winterdienst erledigen die Bewohner selbst. Ist denn wirklich alles so harmonisch? 'Natürlich versteht man sich mit manchen besser als mit anderen', räumt Reisinger ein.

Doch trotz der einen oder anderen Schwierigkeit: Das Ehepaar Brams ist froh, den Traum von der Ökosiedlung durchgezogen zu haben: 'Für die Kinder ist es paradiesisch, hier aufzuwachsen', sagt Margret Brams. Nach zwischenzeitlichen finanziellen Schwierigkeiten ('als Bauträger hat man ein großes Risiko') seien die Schulden beglichen. Und die Siedlung gelte als 'Vorzeigeobjekt' und sei durch Fördermittel für 'experimentellen Wohnungsbau' unterstützt worden. Dem 14-jährigen Ferdinand Brams sei es zwar manchmal peinlich gewesen, wenn Mitschüler vom 'Ökodorf' gesprochen haben, aber die Familie gibt nichts auf Hänseleien: 'Früher waren wir die Ökospinner', erinnert sich Margret Branms. 'Und jetzt kann man sehen, dass hier lauter ganz normale Menschen leben.'

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