Allgäu
Finanzämter kassieren nur noch 2900000000 Euro

Geht es nach den Steuereinnahmen des Staates, hat die Finanzkrise im Allgäu vor allem Unternehmer erfasst. Betroffen sind kleine Handwerksbetriebe ebenso wie Freiberufler und Inhaber großer Firmen. An Arbeitnehmern ging sie fast noch vorüber. «Die Unternehmergewinne sind am stärksten und teils massiv eingebrochen», folgert Ludwig Bachmann, stellvertretender Leiter des Finanzamtes Kempten, anhand des Steueraufkommens 2009. In seinem Zuständigkeitsbereich - der Stadt Kempten und dem nördlichen Oberallgäu - zum Beispiel sanken die Einkommenssteuerzahlungen der Gewerbetreibenden von 117 Millionen 2008 auf 79 Millionen Euro.

Löhne kaum verändert

Das Lohnsteueraufkommen blieb dagegen in allen Allgäuer Kreisen fast gleich. «Das bedeutet, dass sich auch die Löhne kaum verändert haben und sich die Kurzarbeit noch nicht so durchgeschlagen hat», sagt Bachmann, der auf die Zahlen der anderen Finanzämter in der Region zugreifen kann. Das Umsatzsteueraufkommen sei sogar gestiegen. Ursache dafür sei zum Einen, dass die Menschen 2009 noch viel Geld ausgegeben hätten. Die Abwrackprämie und die damit verbundene Masse an Neuwagenkäufen dürften hier eine Rolle gespielt haben.

Die Körperschaftssteuer dagegen ging zurück, in Kempten zum Beispiel von 56 auf 32 Millionen Euro. Dieses Minus entsteht laut Bachmann nicht zuletzt durch einen geänderten Steuersatz. 2007 mussten Gemeinschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und Aktiengesellschaften (AG) Gewinne noch mit 25 Prozent versteuern, ab dem Jahr darauf waren es nur noch 15 Prozent.

Alles in allem nahm der Staat 2009 im Allgäu etwa sieben Prozent weniger Steuern ein. «Wir haben die Krise bemerkt», sagt Bachmann. «Aber sie ist nicht so stark angekommen wie erwartet. Man muss nicht schwarz sehen.» Zumal 2008 ein ausnehmend gutes Jahr mit sehr hohen Gewinnen gewesen sei. Demzufolge sei der Sturz jetzt gravierender. 2007 lag das Steueraufkommen bei den Allgäuer Finanzämtern niedriger als 2009. So schwankten die Zahlen etwa im Oberallgäu von 815 Millionen Euro in 2007 auf 980 Millionen 2008 und 865 Millionen 2009.

Im Ostallgäu lagen sie bei 1,08 Milliarden, 1,23 Milliarden und 1,15 Milliarden Euro. Das Steueraufkommen ist dort so hoch, weil in Kaufbeuren die Erbschaftssteuer zentral für Südschwaben und den Münchner Raum erfasst wird. Am wenigsten verändert hat sich im Kreis Lindau: Dort betrug das Steueraufkommen 257 Millionen Euro 2007, 276 Millionen 2008 und 275 Millionen 2009. Diese geringe Schwankung liegt daran, dass im dortigen Finanzamt keine Körperschaftssteuer erfasst wird. Sie fließt nach Kempten.

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