• 18. Februar 2016, 07:50 Uhr
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Bluttat
Familientragödie in Westerheim: Die Frage nach dem Warum

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(Foto: Martina Diemand)

In Westerheim erschießt ein 88 Jahre alter Vater seinen 65-jährigen Sohn. Ein Verwandter wird durch einen Schuss leicht verletzt. Die Ermittler wollen noch kein Motiv nennen. Wieso besaß der Täter mehrere Waffen?

Nach der blutigen Familientragödie im Unterallgäuer Westerheim am Dienstagabend hat die Polizei am Mittwoch den Vorfall rekonstruiert. Ein 88-Jähriger hatte seinen Sohn (65) erschossen. Zunächst war ein 42 Jahre alter Verwandter des 88-Jährigen bei ihm, um verschiedene Gegenstände – unter anderem Reifen – aus der Garage in sein Auto zu laden.

Gegen 17.30 Uhr kommt dann der 88-Jährige dazu. Dieser schießt auf seinen Verwandten. Der 42-Jährige hat dabei Glück: Ein Schuss wird von seinem Smartphone abgefangen, ein anderer durch seinen Schlüsselbund. Wie durch ein Wunder wird der Mann nur leicht verletzt. Demgegenüber trifft mindestens ein Schuss den 65 Jahre alten Sohn des Schützen. Er erliegt wenig später der schweren Verletzung.

Der 88-Jährige flüchtet, die Polizei nimmt ihn aber eineinhalb Stunden später in der Nähe eines Baches fest und stellt bei ihm zwei Pistolen sicher. Bei der Fahndung ist auch ein Hubschrauber im Einsatz. Der leicht verletzte Täter wird ins Krankenhaus gebracht.

Er ging auf Krücken

Die 2.200-Seelen-Gemeinde Westerheim gestern: Es scheint, als gebe es nur ein Gesprächsthema – die Schießerei vom Dienstag. Der 88-jährige Mann habe einen gebrechlichen Eindruck gemacht und sei immer auf zwei Krücken gegangen sagt eine Frau. Unauffällig sei er gewesen, habe zusammen mit seinem 65 Jahre alten Sohn in dem Haus in einer gutbürgerlichen Gegend gewohnt. Über ein besonderes Aggressionspotenzial sei nichts bekannt.

Trotz körperlicher Beschwerden sei der alte Mann 'orientiert und bei klarem Verstand' gewesen, berichtet die Frau. Am dörflichen und gemeindlichen Leben habe sich die Familie nicht beteiligt. Ein in der Nachbarschaft lebender Mann berichtet, dass zwei Söhne des alten Mannes bereits gestorben seien – einer durch eine Krankheit, ein anderer durch einen Unfall. 'Ich kenne aber keine Einzelheiten', sagt er.

Täter war Sportschütze

Der 88 Jahre alte Schütze war früher viel im Ausland – als Ingenieur für eine Firma. In dem Haus finden Polizeibeamte gestern weitere Waffen. Beispielsweise tragen zwei Beamte gegen Mittag zwei Langwaffen hinaus. Ein Kripobeamter bringt an einer Seitentür der Garage ein Polizeisiegel an. Die Waffen habe der 88-Jährige offensichtlich zu Recht besessen, sagt der Memminger Kripo-Chef Wolfgang Sauter. Der Täter sei Sportschütze gewesen.

Am Mittwochnachmittag wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt. 'Es ist mit 99-prozentiger Sicherheit davon auszugehen, dass ein Haftbefehl ergeht', sagt Sauter. Und wenig später gibt die Polizei in Kempten bekannt, dass gegen den 88-Jährigen 'ein Haftbefehl wegen Mordes und wegen versuchten Mordes ergangen ist'. Zu dieser Zeit hat der nur leicht verletzte 42-Jährige das Krankenhaus bereits verlassen. Der Familienvater ist wieder zu Hause in einem Ortsteil von Westerheim. Er will über den Vorfall nicht sprechen. Derweil beschäftigen sich die Ermittler immer noch mit dem Tatmotiv.

Es gibt einen schlimmen Verdacht: Könnte es sein, dass der 88-Jährige eigentlich den 42-Jährigen treffen wollte, aus Versehen aber eine Kugel seinen Sohn tödlich traf? Der Memminger Kripo-Chef Sauter will zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Stellung zu einer solchen Spekulation nehmen. Aber: Inzwischen ist bekannt, dass es in der Vergangenheit wiederholt zu Streitereien innerhalb der Verwandtschaft gekommen sei. Der 42-Jährige und der Täter seien entfernt verwandt, sagt Sauter.

Mehrere Blutspuren

Noch nicht abgeschlossen sind laut Polizei die Untersuchungen zur Tatwaffe. Auch sei noch nicht vollständig klar, wie viele Schüsse abgegeben wurden, heißt es in einer Presseerklärung der Polizei. Am Tatort seien mehrere Blutspuren gefunden worden, schildert ein Kriminaltechniker vor Ort. Keine Auskunft von der Polizei gibt es auf die Frage, wie der 88-Jährige den Vorfall schildert.

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