Allgäu
Familiensache

Volkstümliche Musik, frotzelten die Well-Brüder Hans, Michael und Christoph einst im Gespräch mit unserer Zeitung, sei wie eine Droge. Mit ihr im Ohr flüchte man in eine Art Scheinwelt, in eine perfekte Illusion. Wenn die Show dann vorüber sei und die Scheinwerfer erloschen, lande man umso härter auf dem Boden der Tatsachen.

Was sie dieser Kunstwelt im Namen der «Biermösl Blosn» entgegensetzen? Ehrliche, traditionsreiche Volksmusik, überliefert über viele Generationen. Und doch experimentieren die drei Brüder aus dem Hause Well seit Jahren mit dieser Musik. Kippen sie zur Seite, stellen sie auf den Kopf. «

Wir schaffen mit der Volksmusik einen Bezug zur Gegenwart», ist sich das Trio einig. Was im Klartext bedeutet: Sie lassen die klassischen Dreigesänge nicht nur deshalb erklingen, weil sie wunderbar ins Ohr gehen. Sondern sie füttern sie mit modernen, mit kritischen Texten. Oder blicken als Biermösl Blosn frech auf dunkle Machenschaften in Politik und Wirtschaft und kommen am Ende immer wieder zum Schluss: Im schönen Bayern stinkt es auf manchem Amt ebenso wie woanders. Aber gut leben lasse es sich dennoch hier.

Was Männer können, kriegen Frauen schon lange hin: eine These, die nicht unbedingt wissenschaftlich belegt ist. Aber für Moni, Burgi und Bärbi steht die Richtigkeit dieser Aussage außer Frage. Sie sind die Schwestern von Hans, Michael und Christoph Well, und weil in ihren Augen Musik und Kabarett keinesfalls eine Männerdomäne ist, gründeten sie vor 23 Jahren ebenfalls ein Trio - die Wellküren.

«Beste Schwestern» nennen die Well-Frauen ihr aktuelles Programm. Da erklingt dann harter AC/DC-Sound auf Zupfinstrumenten oder ein Protestsong mit dem Titel «Für Frieden, für Hoffnung und für Geld».

Stubenmusik mit der «Schwestern-Partei»: Die kann leichthin so weit gehen, dass sie plötzlich mit Blick auf die Zukunfts-Aussichten der CSU die Melodie von «Spiel mir das Lied vom Tod» intonieren. Nach dem Motto: «So intrigant wie unsere Brüder können wir schon zweimal sein.»

Nun müssen die Politiker im Freistaat allerdings nicht Trübsal blasen angesichts so pechschwarzer Prognosen. Hilfe nämlich können sie sich von gleicher Stelle holen, denn die Wellküren kündigen ebenfalls an: «Wir wollen Bayern retten». Und sie beteuern: Natürlich seien sie dazu auch in der Lage.

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