Obermaiselstein
Experte: Werbeeffekt von Sportereignissen überschätzt

Nur wenn sportliche Großveranstaltungen auch zur touristischen Ausrichtung eines Ortes passen, haben sie eine Werbewirkung. Diese Meinung vertrat Professor Thomas Bausch, der an der Münchener Fachhochschule lehrt und das Alpenforschung-Institut leitet. Bausch sprach bei einer Veranstaltung der Oberallgäuer Grünen, in der es um die Zukunft des Tourismus im Alpenraum in Zeiten des weltweiten Klimawandels ging. In der anschließenden Diskussion stießen seine Thesen auf teils heftigen Widerspruch bei Politikern und Betroffenen aus der Tourismusbranche.

Bausch nannte ein Beispiel: Wenn für eine Gemeinde Ruhe und Natur touristisches Leitmotiv sei, dann bringe ein Skirennen oder -springen nicht den gewünschten Werbeeffekt. Der Professor: «Großveranstaltungen müssen mit der touristischen Ausrichtung eines Ortes korrespondieren.»

Falscher Zeitpunkt

Wintersport-Bilder von Großveranstaltungen im Fernsehen würden zudem oft zum falschen Zeitpunkt über den Bildschirm flimmern. Beispiel: Wenn Ende Februar ein Ski-Weltcuprennen im Fernsehen gezeigt wird, «bucht niemand mehr im Austragungsort einen Skiurlaub». Anders sei das beispielsweise beim Ski-Weltcup-Auftakt in Sölden: Da werde im Oktober die Botschaft rübergebracht: Der Winter steht vor der Tür und in Sölden kann man auf dem Gletscher bereits Ski fahren. Das sei dann eine erfolgreiche Werbung.

«Argumentativ missbraucht»

Die Wirtschaftskraft des Tourismus werde ohnehin überschätzt, führte Bausch weiter aus. Der Tourismus werde von Kommunen häufig für Investitionen «argumentativ missbraucht, um eigene Wunschvorstellungen zu rechtfertigen». Seine These: «Häufig wird sträflichst unterschätzt, wie viele in einem Ort nicht vom Tourismus leben.» Überschätzt werde dagegen, «wieviel Geld in einem Ort vom Tourismus bleibt». «Erschrocken» sei er über die Ausführungen des Tourismus-Professors, meldete sich ein Hotelier aus Balderschwang in der anschließenden Diskussion zu Wort: «Wir sind dankbar für jede Großveranstaltung.» Ein Ort wie Balderschwang lebe vom Wintertourismus.

Von was leben?

Tourismusverbands-Vorsitzender Alfons Zeller widersprach Bausch ebenfalls heftig: «Der Bekanntheitsgrad eines Ortes wird durch Spitzensport-Veranstaltungen gesteigert». So wie Bausch den Tourismus dargestellt habe, sei er «uninteressant.» Zeller: «Von was aber sollen wir sonst leben?»

Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser betonte, seiner Ansicht nach sei im Allgäu das richtige Maß bei der Beschneiung gefunden worden. Kaiser: «Und wir brauchen Großveranstaltungen genauso wie Nachhaltigkeit.»

Mit der Sonne werben

Bausch empfahl statt der Großveranstaltungen «eine gezielte Werbung». Beispielsweise könne die Tourismusregion Allgäu die hohe Sonnenscheindauer im Winter kommunizieren. In der kalten Jahreszeit gebe es in den höheren (vor)alpinen Lagen bis zu zehnmal mehr Sonnenschein-Stunden als in manchen Flusstälern.

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