Enttäuschung ist riesengroß

Von unserem Mitarbeiter Dirk Meier, Prag - Zum ersten Mal nach dem Wiederaufstieg in die A-Gruppe hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft das Viertelfinale bei einer Weltmeisterschaft verpasst. 2001 in Deutschland (1:4 gegen Finnland), 2002 in Schweden (2:6 gegen die Gastgeber) und 2003 in Finnland (2:3 gegen Kanada) lauteten die Viertelfinal-Ergebnisse. 2004 in Tschechien bedeutete die 0:1-Niederlage gegen die Schweiz am Dienstag bereits das Aus in der Zwischenrunde. Das Problem lag in der Offensive. Denn nur gegen Kasachstan (4:2) und gegen Österreich (3:1) gelang mehr als ein Treffer. Gegen Lettland (1:1), Tschechien (1:5) und Kanada (1:6) gelang nur ein Tor, gegen die Schweiz gar keines. Über den WM-Verlauf und das vorzeitige Aus sprachen wir mit dem 30 Jahre alten Kapitän Stefan Ustorf aus Kaufbeuren. Herr Ustorf, sind die deutsche Mannschaft und auch Sie persönlich sehr enttäuscht über das Ausscheiden in der WM-Zwischenrunde? Stefan Ustorf: Die Enttäuschung ist riesengroß. Dass es gegen die Schweiz schwer wird, das wussten wir. Aber dass wir gar kein Tor schießen, das war nicht zu erwarten. Wir waren zwar über weite Strecken optisch überlegen, aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt und es versäumt, noch mehr Chancen herauszuspielen. Ärgerlich war da schon, dass ich gleich am Anfang eine 'Hundertprozentige' vergeben habe. Ein 1:0 hätte uns bestimmt mehr Sicherheit gegeben. Nach dem Rückstand wurde der Druck auf uns von Minute zu Minuten größer. Gegen die Schweizer hätten wir wohl noch drei Stunden spielen können und hätten kein Tor erzielt. Das passiert halt mal im Eishockey. Es ist allerdings ärgerlich, dass uns das ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel passieren muss. Wie war denn die Stimmung im Team? Ustorf: Im Verlauf der WM sehr gut. Aber nach der 0:1-Niederlage gegen die Schweiz verständlicherweise nicht mehr so toll. Uns war ja die Situation vor Beginn der Zwischenrunde vollends bekannt. Wir mussten, weil wir gegen Lettland nur 1:1 gespielt hatten, unsere Spiele gegen Österreich und die Schweiz unbedingt gewinnen. Gegen Österreich haben wir uns schon brutal schwer getan, aber am Ende hat es dann doch noch geklappt. Gegen die Schweiz hat es halt dieses Mal einfach nicht gereicht. War der Auslöser für die Niederlage gegen die Eidgenossen schon in der 1:6-Schlappe gegen Kanada zu suchen, als Ihr Team doch einen gehörigen Dämpfer bekommen hat? Ustorf: Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Bei einer WM ist es egal, ob du 0:1 oder 1:6 verlierst. Verloren ist verloren. Unser größtes Problem bei diesem Turnier war unser Powerplay. Das hat einfach nicht so geklappt, wie es klappen hätte müssen. Die großen Nationen wie Kanada oder Tschechien haben es uns gerade in den Spielen gegen uns vorgemacht. Daran müssen wir in Zukunft arbeiten. Wer wird denn nun Ihrer Meinung nach Weltmeister? Ustorf: Ich tippe auf ein Endspiel Tschechien gegen Slowakei. Da ist der Ausgang völlig offen.

Heimflug zur Familie Was macht Stefan Ustorf nach dem unerwartet frühen WM-Aus? Ustorf: Ich fliege jetzt nach Düsseldorf und löse dann meine Wohnung in Krefeld auf. Dann fliege ich am Mittwoch nächste Woche zu meiner Familie in die USA nach Cincinnati. Im August komme ich dann nach Deutschland zurück und spiele nächste Saison in der DEL für die Eisbären Berlin. Sie haben bisher in 87 Länderspielen zwölf Tore erzielt, zehn Vorlagen gegeben und 28 Strafminuten abgesessen. Werden Sie auch in der kommenden Saison weiter im Trikot der Nationalmannschaft spielen? Ustorf: Wenn ich mich nicht verletze und der Bundestrainer mich weiter braucht, dann werde ich weiter für Deutschland spielen, weil das eine Ehre für mich ist.

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