Eine Stimme mit vielen Farben

Von Freddy Schissler | Kempten/Mailand Die Wünsche, die Lucia Aliberti in diesen vorweihnachtlichen Tagen mit sich trägt, sind überschaubar. Zumal für einen Bühnenstar wie sie. Eine Eisdiele in der Nähe der Konzerthalle, ein Stückchen Milchschokolade in der Tasche, ein Abendessen nach dem Auftritt. 'Habe ich das, bin ich zufrieden', sagt Lucia Aliberti, und beim Telefon-Interview mit unserer Zeitung dreht sie aus dem fernen Mailand kurzerhand das Frage-und-Antwort-Spiel um und will wissen: 'Gibt es in Kempten eine empfehlenswerte Eisdiele?'

Dort gastiert die 50-jährige Sopranistin, die zu Beginn ihrer Karriere von nicht wenigen als zweite Callas gesehen wurde, am 30. Dezember mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn in der Klassik-Box. Ein Konzert, auf das sich die Sizilianerin freut. 'Das Ensemble aus Heilbronn', lobt sie, 'gehört zu den Besten seines Fachs. Wir treten immer gerne miteinander auf.' Den Ort des Konzerts kennt Lucia Aliberti ebenfalls. Schon einmal war sie zu Gast in der Big Box, und dennoch ist sie gespannt, wie der Abend diesmal wird. Die Akustik, so hat man ihr versichert, wird in der neu gestalteten Klassik-Box eine andere sein. Weshalb sie ohne Mikrofon singen will. Das ist für sie ein wichtiger Punkt. 'Ohne Micro', erklärt sie, 'ist die Stimme natürlicher.' Ohne diese technische Unterstützung könne sie der Stimme viel mehr Farben verleihen. Da sei ein Piano ein richtiges Piano und ein Fortissimo ein ordentliches Fortissimo. Von Menschenhand gemacht, nicht von der Technik. So unverfälscht sollte die Musik immer sein. Basta.

Gefragte Sopranistin

Auch wenn die Vermutung, Lucia Aliberti fülle einmal die Fußstapfen von Maria Callas aus, nur eine Vermutung geblieben ist, ist die 50-Jährige eine gefragte Sopranistin, die erst vor wenigen Tagen von einer Tour aus Thailand zurückkehrte. Ohne Erkältung immerhin. Was für Lucia Aliberti enorm wichtig ist. Denn das Jetten rund um den Globus sei zwar spannend, sagt die Sängerin, aber eben auch gefahrenträchtig für sie. Zielscheibe ihres kritischen Blicks: die Klimaanlagen. Überall würde sie damit konfrontiert - im Flieger, im Hotelzimmer, im Frühstücksraum. 'Ich mag diese Dinger nicht', sagt die Operndiva, 'weil ich mir damit schnell eine Erkältung einfange.'

Wie gesagt, zuletzt ist alles gut gegangen. Auch ihr Abstecher an die Semper Oper in Dresden. Dort hatte sie vor kurzem ein Benefizkonzert gegeben, und dort ist auch ihre neueste DVD entstanden ('Lucia Aliberti - live at Semperoper'). So ist mit einer gesunden Aliberti im Allgäu zu rechnen, die auf die Frage nach dem Weihnachtswunsch 2007 antwortet: 'Frieden auf dieser Welt.' Wiewohl ihr klar ist, dass dieser Wunsch wohl unerfüllt bleibt, 'weil viele Politiker vom Frieden reden aber leider so handeln, dass er nicht existieren kann.'

Karten für das Konzert mit Lucia Aliberti und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn am 30. Dezember (19.30 Uhr) in der Klassik-Box in Kempten unter 01805/132 132.

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