Ottobeuren
«Eine Saison ohne große Risiken»

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Haydns «Schöpfung», Brahms «Deutsches Requiem», Sinfonien von Bruckner und Schubert - wer sich das Programm für die großen Konzerte in der Ottobeurer Basilika 2010 anschaut, findet nur Bekanntes. Entdecker werden in diesem Sommer nicht bedient, Experimente sind tabu. «Wir wollten eine Saison ohne große Risiken», erklärt Peter Kraus, der Leiter des Kulturamtes und fürs Programm zuständig.

Kraus wollte diesmal auf der absolut sicheren Seite bleiben - weil es in den vergangenen Jahren Konzerte gegeben hatte, bei denen auch mal Hunderte der insgesamt 2500 Plätze in der Basilika unbesetzt blieben. Die Resonanz sei bisweilen nicht so groß gewesen, wie er und seine Mitstreiter erwartet hätten. «Deshalb wollen wir heuer Werke bieten, die jeder kennt.»

Kraus will damit verhindern, dass sich ähnliche «finanzielle Löcher» auftun wie in den vergangenen Jahren. Denn am Ende muss die Gemeinde Ottobeuren die Löcher stopfen - mit Beträgen, die durchaus wehtun und im Gemeinderat zu unangenehmen Fragen führen können.

300 000 bis 400 000 Euro umfasst das Budget der Ottobeurer Konzerte insgesamt (fünf in der Basilika, 13 im Kaisersaal). Ungefähr zehn Prozent davon steuert die Gemeinde bei, der Rest speist sich aus den Kartenverkäufen und Sponsorengeldern.

Für Kraus heißt das aber auch: Das Publikum der Ottobeurer Konzerte ist - was den Musikgeschmack anbetrifft - im wesentlichen konservativ eingestellt. Es will hören, was es kennt. Wenn Unbekanntes aufgetischt wird, meckert der eine oder andere Abonnent. Und viele Plätze bleiben leer. Da helfe es wenig, wenn wegen neuer und modernerer Stücke der eine oder andere Besucher erstmals angelockt werde und die aufgeführten Werke in den höchsten Tönen gelobt werden. Kraus: «Wir brauchen das Stammpublikum und wollen es auch bedienen.

» Bekanntes kommt einfach an. Kraus hat schon viel Lob für die Konzertplanung im kommenden Sommer erhalten. Dabei mutet er den Konzertbesuchern durchaus Neues zu. Etwa das Bayerische Staatsorchester samt seinem Dirigenten Kent Nagano, das am 27. Juni mit Sinfonien von Anton Bruckner und Franz Schubert (jeweils die Siebte) auftreten wird. Seit Jahren sei er hinter Nagano her, sagt Kraus. Endlich habe es geklappt, diese Koryphäe nach Ottobeuren zu holen. Beinahe wäre das Engagement noch am Termin gescheitert. Weil Nagano vormittags einen Auftritt in München hat, wird erstmals in der Geschichte der Konzerte der Beginn von 15 auf 15.30 Uhr verlegt.

Ebenfalls zum ersten Mal sind die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und ihr Dirigent Christoph Poppen zu Gast (26. September). Sie präsentieren - zusammen mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks - Joseph Haydns «Schöpfung». Das Oratorium hat in Ottobeuren eine lange Tradition. Schon 1801, zwei Jahre nach der Uraufführung in Wien, erklang es in dem Unterallgäuer Dorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es das erste Oratorium, das dort aufgeführt wurde - ein Wegweiser für die Ottobeurer Konzerte in den folgenden Jahrzehnten, wie die Programmmacher erklären.

Ein alter Bekannter am Pult

Ein alter Bekannter wird beim dritten Basilika-Konzert am Pult stehen: Helmuth Rilling, Jahrgang 1933. Mit den Stuttgarter Philharmonikern und der Gächinger Kantorei Stuttgart führt er «Ein Deutsches Requiem» von Johannes Brahms auf.

Bei den Konzerten im 330 Plätze bietenden Kaisersaal setzen Kraus und seine Mitorganisatoren wieder auf eine buntes Mischung. Sie reicht von Klassik über Klezmer bis zur Kombination von Musik und Literatur.

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