Allgäu
Ein Piks, der Luis Leben retten kann

Akute Leukämie - diese Diagnose bedeutet unbehandelt binnen Wochen, manchmal Monaten, den Tod. Die Kienzlers aus Probstried (Oberallgäu) erhielten diese Diagnose. Luis Laurin, mit sechs Monaten der Jüngste in der Familie, leidet an akuter lymphatischer Leukämie (wir berichteten). Aber es gibt Hoffnung: Neben der Chemotherapie, die Luis derzeit erhält, läuft die Suche nach einem Knochenmarkspender. Denn die Transplantation gesunder Stammzellen kann 50 bis 70 Prozent der Patienten mit Leukämie oder anderen Störungen der Blutbildung heilen. So heißt es bei der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB), mit der Joachim Kienzler die Typisierungsaktion für seinen Sohn plant.

Die Suche nach einem Spender

Die AKB gehört nach ihren Angaben mit über 210000 Spendern zu den größten Spenderdateien weltweit. Die Spendersuche beginnt aber in der Regel in der Familie. Allerdings, so die AKB, passen die Gewebemerkmale Angehöriger nur in 25 bis 30 Prozent der Fälle. Die Suche wird also oft ausgedehnt auf die ganze Welt. Das übernehmen in Deutschland Suchzentren wie das der AKB in Absprache mit Transplantationszentren.

Die Aufnahme in die Datei

Für die Aufnahme in die AKB-Datei darf Bluthochdruck ebenso wenig vorliegen wie Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenüberfunktion, Autoimmun-, Herz-, Lungen-, Tumor- und Infektionskrankheiten, schwere Allergien und Erkrankungen des Nervensystems. Zudem sollten die Spender 18 bis 45 Jahre alt sein. Gesetzlich erlaubt ist eine Spende jedoch bis 60 Jahre und andere Spenderdateien (siehe www.zkrd.de/information.html) typisieren teils auch diese Altersgruppe.

«Wir möchten die Spendengelder aber so sinnvoll wie möglich einsetzen», sagt AKB-Sprecherin Verena Spitzer. Spender über 50 Jahren würden oft nicht mehr angefordert beziehungsweise abgelehnt, weil sie an Erkrankungen leiden. Mit 60 Jahren werden die Spender dann aus der Datei gelöscht.

Wozu Geld spenden?

Spitzer bittet über 50-Jährige um Geldspenden für Luis. «Damit unterstützen sie jüngere Spender und erhöhen so die Chance auf eine passende Spende», sagt sie. 40 Euro Laborkosten fallen pro Typisierung an. Dieses Geld bezahlt keine öffentliche Stelle.

Punktion im Beckenbereich

Gewonnen werden Blutstammzellen nicht über das Rücken-, sondern das Knochenmark. Für die Entnahme gibt es zwei Varianten: Erstens mit einer Punktion (sprich einem Stich) in den Beckenkamm. Das dauert rund eine Stunde in Vollnarkose. Der Spender kann am Tag danach wieder nach Hause. Die Schmerzen sollen einem Muskelkater gleichen. Die zweite Variante ist eine Mobilisierung der Stammzellen. Dabei erhält der Spender einen Wirkstoff, ähnlich einem Botenstoff, den der Körper bei schweren Infektionen ausschüttet, um die Zellneubildung anzuregen.

Auf diese Weise treten Stammzellen ins Blut über. Der Spender wird am fünften Tag der Mobilisierung mit einem Zellseparator verbunden. Dieser zerlegt das Blut in die Bestandteile und Stammzellen können abgesammelt werden. Das dauert vier bis fünf Stunden und wird ambulant durchgeführt.

Ein paar Tropfen Blut genügen

Für die Typisierung reicht ein wenig Blut, das an einem der Aktionstage für Luis (siehe Infokasten) abgeben werden kann. Für eine schnelle Erfassung der Personendaten sollte jeder Teilnehmer seine Krankenkassenkarte mitbringen. Die Typisierung ist zudem online möglich. Das heißt: Der Spender registriert sich im Internet und bekommt ein Wattestäbchen-Set geschickt. Damit nimmt er eine Speichelprobe und sendet sie zurück. Wer bereits typisiert ist, muss sich kein zweites Mal registrieren lassen.

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