Ottobeuren
«Deutschlandweit einmalige» Klinik verlässt das Allgäu

Unliebsame Überraschung für Patienten, die auf fernöstliche Heilmethoden schwören: Die Privatklinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Ottobeuren verlässt das Allgäu. Voraussichtlich im Juni 2010 zieht die Einrichtung, die wegen ihrer engen Vernetzung mit der Schulmedizin als deutschlandweit einmalig gilt, nach Illertissen. Die TCM-Ärzte arbeiten in der Ottobeurer Kreisklinik intensiv mit den deutschen Medizinern zusammen.

Täglich werden bei TCM im Schnitt 65 Patienten behandelt, im Vordergrund steht die Schmerztherapie. Gestern hat das Haus den Mietvertrag mit den Unterallgäuer Kreiskliniken gekündigt. Man sei «räumlich und konzeptionell an die Grenzen gestoßen», so TCM-Geschäftsführerin Sigrid Losert zu den Beweggründen. Maßgeblich zum Ortswechsel beigetragen hat offensichtlich auch das deutlich abgekühlte Verhältnis zwischen der TCM-Spitze und Landrat Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler). Der Kreischef hatte die Trennung vom Ärztlichen Direktor der Kreisklinik Ottobeuren, Dr.

Wolfgang Pflederer, betrieben - gegen den Widerstand beispielsweise von Kreisrat Josef Epp (CSU), einem der drei privaten Gesellschaftern der TCM-Klinik (wir berichteten). Mit Pflederer werden die Patienten an der neuen TCM-Wirkungsstätte im Gebäudekomplex der Illertissener Illertalklinik einen alten Bekannten wiedersehen. Der Mediziner, im Mai wegen umstrittener Gehaltszahlungen an den eigenen Sohn fristlos gekündigt, inzwischen juristisch aber rehabilitiert, wird neuer Ärztlicher Direktor der Privatklinik. Außer ihm agieren weiterhin die bisherige ärztliche Leiterin und drei TCM-Ärzte von der chinesischen Universität Nanjing.

Geschäftsführerin Losert verhehlt nicht, dass das Ausscheiden Pflederers aus den Unterallgäuer Kreiskliniken die Entscheidung, nach Illertissen zu wechseln, befördert habe. Pflederer sei in der Kooperation zwischen Schul- und chinesischer Erfahrungs-Medizin in Ottobeuren der wichtigste Mann gewesen. Der Arzt war es auch, der die wissenschaftliche Begleitung mit der Universität Erlangen-Nürnberg und die Kooperation mit der TCM-Hochschule in Nanjing vorangetrieben hatte. In Illertissen habe man mit Pflederer die Schulmedizin unter dem Dach der TCM-Klinik, so Losert. Sie sieht darin einen «Quantensprung», da das medizinische Angebot deutlich erweitert werde.

Überrascht über diese Entwicklung zeigte sich Dr. Christof Weitzel, Chefarzt an den Kreiskliniken. Er bekräftigte, dass man die TCM-Klinik nicht verlieren, sondern vielmehr die Zusammenarbeit auf neue konzeptionelle Beine habe stellen wollen: «Das Ganze war ja letztlich ein Projekt von Herrn Pflederer.»

«Die TCM war und ist eine Einrichtung, die sicherlich gut gepasst hat, von daher bedauere ich die Entscheidung», so Landrat Weirather. «Es ist schön, eine TCM-Klinik zu haben, aber sicherlich nicht die Basis, von der das Wohl und Wehe der Ottobeurer Klinik abhängt.»

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