Der alte Schrauber und das Flugzeug

Kaufbeuren(mab). - Karl Jansons ist ein alter Hase, was das Thema Luftwaffe angeht. Seit 1974 ist der Ostallgäuer schon bei der Bundeswehr und hat in dieser Zeit vier Waffensysteme (wie es im Jargon heißt) kennen gelernt: Zuerst den Starfighter, dann die Phantom sowie den Tornado. 'Und vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich mich auch noch für den Eurofighter schulen lassen möchte', berichtet der 49-Jährige. Da musste er nicht lange überlegen - er sagte zu. Der Hauptmann hat kürzlich seine Ausbildung als Lehrgangsbester mit der Note 1,0 bestanden. Jansons gehört zur allerersten Ausbildungsstaffel des so genannten 'Lehr- und Spitzenpersonals' für den Eurofighter. Er wird als 'Hörsaalleiter' demnächst Flugzeugtechniker aus ganz Deutschland an der Technischen Schule der Luftwaffe 1 in Kaufbeuren für das neue Jagdflugzeug schulen. Jansons bezeichnet sich selbst als 'alten Schrauber', was schon relativ viel über seine frühere Tätigkeit aussage. 'Bei den älteren Maschinentypen musste der Flugwerkmechaniker Teile eines Flugzeuges ausbauen, Fehler finden oder bestimmte Geräte warten, wieder einbauen und dann testen', erzählt er. So, wie man sich als Laie eben die Arbeit eines Flugzeugmechanikers vorstellt. 'Doch beim Eurofighter ist das alles ganz anders', so Jansons, die alten Schrauberzeiten seien endgültig vorbei. Wenn nämlich am Eurofighter ein Bereich gewartet werden muss oder nicht mehr richtig funktioniert, dann wird der komplette Bereich wie eine Art Modul ausgebaut und einfach zu den betreuenden Firmen geschickt. Die sind dann an der Reihe.

'Mehr in die Breite' 'Die Eurofighterausbildung besteht heute darin, das ganze System in seinen Zusammenhängen zu überblicken. Es wird nicht mehr in die Tiefe, sondern in die Breite unterrichtet', erläutert Jansons. Der kleine Fehler im System müsse nicht mehr gefunden werden. Gibt die Luftwaffe denn da nicht viel zu viel Kompetenz an die Industrie ab und macht sich so zu sehr abhängig? 'Damit das nicht passiert, existiert das kooperative Modell.' Es wird permanent ein ausreichend großes Kontingent an Technik-Spezialisten der Bundeswehr 'in Grünzeug' bei der Herstellerfirma abgestellt und arbeitet dort mit. 'Das sind die absoluten Experten.' Wenn dann beispielsweise ein Auslandseinsatz erfolgt - bei dem die zivilen Flugzeugingenieure von EADS naturgemäß nicht teilnehmen können - werden diese Soldaten abgerufen und entsprechend ins Ausland abkommandiert. Die nun abgeschlossene Ausbildung sei aufwändig und anspruchsvoll gewesen, so Jansons. Sie habe sich alles in allem über 14 Monate hingezogen, davon allein neun Monate allgemeines und Fachenglisch. Ab Ende 2004 soll er täglich zahlreiche Techniker aus der ganzen Bundesrepublik schulen. Jansons ist immer begeisterter von dem neuen Flugzeugtyp. 'Die Maschine würde jeden Flugzeug- wie auch jeden Computerfan faszinieren, weil sie so komplex und doch so effizient ist.' Schlüsselerlebnisse seien für ihn Triebwerksprüflaufe gewesen, bei denen das Flugzeug quasi angebunden ist und trotzdem zum Test die Triebwerke hochgefahren werden. 'Da merkt man erst einmal, was in dem Vogel steckt', sagt er, auch wenn er den Eurofighter als 'alter Schrauber' niemals fliegen wird. Die Piloten werden nämlich, anders als die Techniker, in Manching bei München ausgebildet.

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