Dem Krebs von innen zu Leibe rücken

Von Markus Bär, Kaufbeuren/München - Hohe wissenschaftliche Weihen zu erwerben, ist der Traum von so manchem Akademiker. Viele forschen jahrelang in ihrem Kämmerlein - und keinen interessiert es jemals. Bei der aus Kaufbeuren stammenden Dr. Evelyn Hartmann ist das aber anders. Die 30-Jährige, die dabei ist, ihren Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) zu machen, ist für ihre Arbeiten im Bereich der Krebsforschung mit dem Georg Heberer Award der Chiles Foundation (Portland/Oregon), der mit 25000 US-Dollar derzeit höchstdotierten Auszeichnung für chirurgische Forschung in Deutschland, bedacht worden. 'Die Nachricht kam für mich völlig unvermittelt', so Evelyn Hartmann. 'Die Sekretärin rief an und sagte, ich müsse noch einmal im Institut vorbeikommen.' Sie fuhr daraufhin ins Klinikum Großhadern an ihren Arbeitsplatz. 'Dort wurde mir mitgeteilt, dass der Preis an mich verliehen worden ist.' Sie habe es kaum glauben können. 'Erstens, weil ich eine Frau bin, die diesen Preis erhält - Frauen sind in der chirurgischen Forschung nach wie vor eher unterrepräsentiert - zweitens weil ich noch relativ jung und drittens keine Chef- oder Oberärztin, sondern lediglich Assistenzärztin bin.'

Abitur in Kaufbeuren gemacht Seit dem Jahr 2000 war Hartmann, die 1993 am Staatlichen Gymnasium in Kaufbeuren Abitur gemacht und dann in München Medizin studiert hatte, in der HNO-Klinik in Großhadern tätig. 'Wenn man in einer Uniklinik arbeitet, hat man die Möglichkeit, Forschung zu betreiben.' Also schloss sie sich schnell einer Tumorforschungsgruppe an, der auch ihr heutiger Mann Dr. Gunther Hartmann angehörte. Ihr Thema waren unter anderem die so genannten plasmazytoiden dendritischen Zellen. Diese schütten,wenn sie Viren in ihrer Umgebung registrieren, Interferon-alpha aus. Die Bedeutung des Stoffes Interferon bei der Behandlung von Tumorerkrankungen ist auch so manchem medizinischem Laien geläufig. Allerdings hieß es bislang, dass es diese plasmazytoiden dendritischen Zellen in Tumorgewebe nicht gebe. Ausgerechnet Dr. Hartmann gelang es aber, diese Zellen in Tumoren nachzuweisen. Und nicht nur das: Die besagten Zellen sind im Tumorgewebe meistens inaktiv, weil keine Virusinfektion vorliegt. Hartmann gelang es aber, die Zellen mit Hilfe bestimmter Nukleinsäuren trotzdem zu aktivieren. So kann der Tumor von 'innen' mit Interferon bekämpft werden. 'Die preisgekrönte Arbeit von Dr. Evelyn Hartmann weist damit in eine neue und vielversprechende Forschungsrichtung auf dem Gebiet der Immuntherapie von Tumoren', heißt es beim Informationsdienst Wissenschaft anlässlich der Verleihung des Awards, an der unter anderem neben dem Rektor der Ludwig-Maximilian-Universität, Professor Bernd Huber, auch Münchens Bürgermeisterin Dr. Gertraud Burkert teilnahmen. Hat Hartmann einen Königsweg in der Tumorbekämpfung gefunden? 'Ich bin mir sicher, dass in dieser Richtung noch viel erreicht wird. Aber Krebs ist eine sehr komplexe Krankheit, für die es nicht nur eine allgemein gültige Behandlungsmethode geben wird', schwächt sie ab. Die 25000 Dollar will sie, so wie man es erwartet, in ihre weiteren Forschungen fließen lassen. Ansonsten möchte die Mutter eines acht Monate alten Buben ihre wissenschaftlichen Ergebnisse auch in neue Therapieformen im Bereich der HNO umsetzen.

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