Das wäre für die Vereine absolut tödlich

Von unserem Mitarbeiter Roland Wiedemann, Immenstadt/Memmingen/Buchloe - Brigitte Gulich versteht die Welt nicht mehr. 'Da hat Herr Stoiber die Schirmherrschaft für die Initiative &po_226;Sport tut Bayern gut' übernommen und dann das'. 12,6 Millionen Mark will das Kultusministerium im Bereich Sport einsparen, hieß es vor Weihnachten. Unter anderem ist im Gespräch, die staatliche Förderung für lizenzierte Übungsleiter zu streichen. 'Das wäre für die Vereine tödlich', lautet die düstere Prognose der Vorsitzenden des TV Immenstadt. Allein dem TVI würde der Radikalschlag bei jährlich rund 5400 Übungsleiterstunden ein Loch von knapp 11000 Euro in den Etat reißen. Dass angesichts leerer Kassen auch bei der Sportförderung gekürzt werden muss, leuchtet Brigitte Gulich ein. 'Aber doch nicht gleich mit dem Fallbeil.' Immerhin würden die Sportvereine wichtige soziale Aufgaben übernehmen - insbesondere bei der Jugendarbeit.

Derzeit bis zu 2,20 Euro Zuschuss Bislang schießt der Freistaat - wenn die Qualifikation eines Übungsleiters durch eine entsprechende Ausbildung nachgewiesen wird - pro Stunde 1,50 bis 2,20 Euro zu. Die Kommunen legen in der Regel nochmal den gleichen Betrag drauf. Den Rest der Übungsleiter-Honorare übernehmen die Vereine selber. Im Falle des TV Immenstadt sind das über 30 000 Euro im Jahr. Der Vorsitzende des Sportkreises Oberallgäu/Kempten, Dietrich Winterbauer, kann sich nicht vorstellen, dass es wirklich so weit kommen wird. Inzwischen ruderte das Kultusministerium auch schon zurück und spricht von 'moderaten Kürzungen'. Winterbauer: 'Ich wünsche mir, dass sich die Politiker ihrer Verantwortung bewusst sind.' Am Freitag befasst sich der Aufsichtsrat des Bayerischen Landessportverbandes mit dem Thema. Winterbauer wird dabei sein. Wer weiß, so der Oberallgäuer, vielleicht hätten sich die CSU-Politiker bei ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth bis dahin schon auf ein für den Sport annehmbares Ergebnis geeinigt. Die Stimmung innerhalb der Vereine reiche derweil von Wut bis zur Bereitschaft, Demonstrationen zu organisieren, berichtet Dr. Egon Hartmann, Sportkreisvorsitzender des Landkreises Lindau. Kollege Winterbauer hält wenig davon, auf die Straße zu gehen und so Druck auf die Staatsregierung auszuüben. 'Hoffentlich wird unsere Anständigkeit auch belohnt', so der Funktionär aus Blaichach. Trotz aller Zurückhaltung hat Winterbauer wie die anderen Vorsitzenden der Allgäuer Sportkreise in Briefen an die örtlichen Landtagsabgeordneten seinen Unmut über die Sparpläne zum Ausdruck gebracht. Siegfried Reiser, der Unterallgäuer Vertreter, erinnerte in seinem Schreiben daran, dass die Vereine die Anteile des Freistaates an den Übungsleiterhonoraren für 2003 vorfinanziert haben. So sitzen derzeit die Vorsitzenden an den Schreibtischen, zählen die Übungsleiterstunden zusammen, um die Zuschussanträge stellen zu können. Immerhin heißt es aus Wildbad Kreuth inzwischen, dass die Förderung für 2003 in vollem Umfang ausgezahlt werde. 'Die Vereine haben diese Gelder in ihren Haushalten für 2004 auch schon eingeplant', erklärt Reiser. Wenn schon sparen, dann lieber beim Sportstättenbau, schlägt er vor.

Beitragserhöhungen als Ausweg 'Nicht machbar für die Sportvereine', lautet auch Hubert Müllers Reaktion auf die Sparpläne des Kultusministeriums. Um die fehlenden Zuschüsse auszugleichen, 'müssten die Beiträge ins uferlose erhöht werden', meint der Vorsitzende Sportkreises Ostallgäu/Kaufbeuren. Da würden viele der Mitglieder nicht mitmachen und aus dem TV Immenstadt austreten, ist sich Brigitte Gulich sicher. Das glaubt auch Memmingens Sportreferent Fritz Such, der zudem sagt: 'Es wäre ein Fiasko, wenn die Vereine die Beiträge nicht mehr erhalten würden.' Auch die DJK Memmingen (33 Übungsleiter), deren Vorsitzender Such seit Jahrzehnten ist, wäre stark davon betroffen. In Memmingen wären von der Kürzung insgesamt 273 Trainer betroffen. Und die Aufwandsentschädigungen für die Übungsleiter zu kürzen, könne auch nicht der richtige Weg sein, findet Brigitte Gulich. Für sechs Euro die Stunde Woche für Woche in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen, die Spritkosten bei Fahrten zu Wettkämpfen selber bezahlen und Freizeit für die Fortbildungskurse opfern - da könnten den Trainern finanzielle Abstriche nicht zugemutet werden, so Brigitte Gulichs Meinung. Bleibt nur noch als letztes Mittel, das Angebot deutlich runterzufahren. Gulich: 'Dann könnten wir nur noch sagen, tut uns leid liebe Kinder, aber ihr müsst heim gehen.'

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