Bremen / Kempten
Das Superhirn aus dem Allgäu

Mama Elfriede und Papa Roland gönnten sich zu Hause in Kempten vor lauter Aufregung einen Obstler, sein mitgereister Fanklub hielt in der Bremer Stadthalle ein großes Transparent
('Mir drucket Dir d’Dauma') in die Höhe und ein Millionenpublikum an den Fernsehschirmen kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Jürgen Seliger, 37-jähriger Kaufmann aus Kempten, faszinierte am Samstagabend bei 'Wetten, dass . .?' mit einer außergewöhnlichen Gedächtnisleistung. 1000 ausgewählte Figuren aus dem Miniaturwunderland Hamburg, das mit einer Fläche von knapp 1200 Quadratmetern so groß ist wie eine Dreifachturnhalle, konnte der Kemptener genau ihren Standorten zuordnen.

Dafür wurde er am Ende mit 67 Prozent der Stimmen überlegen Wettkönig, was ihm nicht nur viel Ehre, sondern auch noch einen 40000-Euro-Sportwagen bescherte. Das Superhirn aus dem Allgäu verwies damit in einer eher müden Sendung einen Pizza backenden Motorradfahrer (19 Prozent), einen Zungenkünstler, der in zwei Minuten zwanzig Lakritzschnecken verknotete (neun Prozent), und einen über zehn Mülltonnen springenden Einradfahrer (vier) auf die Plätze.

Seligers Wette war aufwendig, und das nicht nur in den Wochen des Übens, in denen der 37-Jährige drei komplette Wochenenden in Hamburg verbrachte, um sich Tag und Nacht all die Szenen der riesigen Modelleisenbahn einzuprägen. Nein, auch in der Sendung am Samstagabend ging es hochtechnisch zu.

Nachdem das Publikum die vergrößerten Aufnahmen von 1000 Figuren und Gegenständen indie Höhe gereckt und Wettpate Hugh Grant und Moderator Thomas Gottschalk fünf ausgewählt hatten, musste Seliger nach kurzem Überlegen an einem digitalen Bildschirm den Standort heranzoomen.

Um zu beweisen, dass er die aus über 300 000 ausgewählten Minifiguren richtig zugeordnet hatte, steuerte Seliger sechs aus Hamburg zugeschaltete Kameras fern. Ein donnernder Applaus und ungläubiges Kopfschütteln erntete der Kemptener, nachdem er eine winkende Familie im Harz, den an einer Hauswand lehnenden James Dean in Amerika, ein Modellschiff unter einer Hamburger Brücke und einen Brezen-Verkäufer an einer Schiffsanlegestelle in Skandinavien richtig ortete.

Seliger gab sich bescheiden. Er habe schon immer großes Interesse an 'Bildersuchrätseln' gehabt, sagte er in der Sendung. Und privat sei er alles andere als ein Superhirn: 'Ich kann mir nicht mal merken, wann ich meine Frau von der Arbeit abholen soll.'

Die 185. Auflage von 'Wetten, dass . .?' verbuchte übrigens die bislang schlechteste Quote. Nur 8,94 Millionen Zuschauer schalteten am Samstag das ZDF ein – so wenige wie noch nie seit der ersten Sendung 1981 (in den Anfängen lockte Frank Elstner um die 20 Millionen Zuschauer an).

Vor allem das jüngere Publikum wanderte am Samstag zu den Castingshows der Privaten ab. 5,9 Millionen sahen 'Das Supertalent' auf RTL. Und das, obwohl das Supertalent des Wochenendes doch zweifellos Jürgen Seliger hieß.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019