Das Hungern hat ein Ende

Von unserem Redaktionsmitglied Mischa Miltenberger, Westendorf - Essen. Sich mal wieder so richtig die Bäuche voll schlagen. Wie hatten sich Philipp Heiß und Robert Steck darauf gefreut. Als die beiden Westendorfer Ringer von ihren internationalen Einsätzen in Polen zurück waren, durften sie endlich wieder zulangen. Der eine (Steck) tat dies beim Chinesen, der andere (Heiß) beim Grillen. Steck hatte zuvor über Wochen hinweg sein Gewicht auf 60 Kilo 'abgekocht', wie es in der Ringersprache so schön heißt, Heiß gar auf 56 Kilo. 'Da hat man dann eine ganz andere Wertschätzung von Essen', sagt der 16-jährige Heiß. Aber vielleicht war es ganz gut, dass beide bei der Anreise - Steck im Privatauto, Heiß im Kleinbus - nicht so viel im Magen hatten. Schließlich ging es einige Stunden über die holprigen Pisten des neuen EU-Mitgliedlandes. 'Das war schon ein Erlebnis, bis man überhaupt da war', erzählt Steck. Sein Wettkampf, die Studenten-WM, ging in Lodz über die Bühne. Hoch professionell sei, so Steck, die Organisation gewesen und exquisit das Teilnehmerfeld. 'Das war Weltklasseniveau und keine Hula-Hoop-Veranstaltung', sagt der 24-Jährige. Bei der Auslosung hatte er etwas Pech. In seinem Pool waren neben einem Franzosen, den er bezwang, auch der spätere Sieger. Der Iraner, der bis zum Ende der WM keinen Punkt abgab, hat Steck 'gezeigt, wo es lang geht'.

Aber, so seine Einschätzung: 'Gegen den Weltmeister darf man verlieren.' Ihm blieb am Ende Rang neun. Auch bei seinem jüngeren Trainingspartner lief es in Belice nicht optimal. Mit zwei weiteren deutschen Nachwuchsringern stritt er sich um ein Ticket für die EM der Cadetten (U 17). Wer im Juli nach Bulgarien reisen darf, war aber auch danach noch nicht klar. Neben einigen Erfolgen gegen polnische Kämpfer schaffte der Ostallgäuer einen klaren Sieg gegen Benjamin Hoffmann und verlor knapp gegen Stefan Krämer. Da Krämer dann Hoffmann nur knapp bezwang, ist noch offen, ob er oder Heiß zur EM darf. Entschieden wird das im Lauf der nächsten zwei Wochen. 'Wenn ich nicht nominiert werde, wäre das keine Katastrophe', sagt Heiß. Denn ansonsten müsste er wieder hungern, dann aber sogar bis auf 54 Kilogramm. 'Dann müssten wir bei der Saisonvorbereitung, die im Juli beginnt, einen extra Trainingsplan aufstellen', sagt Steck, sein Mannschaftskamerad im Zweitligateam. Nun heißt für beide die Devise aber erst einmal: Ausruhen und die Gedanken wieder um anderes als nur das Ringen kreisen zu lassen. 'Denn irgendwann ist einfach Schicht im Schacht', so Steck. 'Bei mir haben Studium und Freundin darunter gelitten.' Auch Heiß freut sich auf die Pause: 'Der Körper braucht die Erholung jetzt unbedingt.' Beim Mannschaftsausflug am Gardasee werden sich die beiden momentan wohl nicht überanstrengen. Und die Pizza schmeckt nach so einer Saison bestimmt doppelt gut.

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