Kempten / Irsee
Das Horrorkabinett des Peter Zeiler

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Zwei Wölfe haben sich im Hals des nackten Mannes festgebissen. Blut fließt - dort, wo die Zähne der Raubtiere sich ins Fleisch bohren, und auch da, wo die Krallen die Haut aufreißen. Horror pur. «Krieg» nennt Peter Zeiler diese Terrakottafigur. Doch der Titel könnte für die meisten der gut 60 Plastiken, Zeichnungen, Radierungen und Gemälde passen, die der 79-jährige Künstler aus Irsee in der Kunsthalle Kempten zeigt, und die in gewisser Weise ein Horrorkabinett darstellen. Das Lieblingsthema Zeilers sind Angriffe, Kriege. Die wenigsten freilich ereilen die Menschen von außen. Der Feind sitzt gewöhnlich im Innern, im Bauch oder im Kopf.

Man fragt sich als Betrachter unwillkürlich: Was quält diesen Mann, dass er mit Kohle, Kreide und Pinsel solch grausame Szenen entwirft? Warum stellt er solch geschundene Kreaturen dar? Warum müssen sie weinen oder vor Schmerzen schreien? Warum haben sie solche Angst? Warum ist alles so düster-schwarz? Kein Lichtblick, nirgends.

Ins Menschliche einfühlen

«Gefühlswelten» hat Peter Zeiler diese packende Werkschau genannt. Und man darf davon ausgehen, dass er einen Gutteil von seinen eigenen Gefühlen auf Papier und Leinwand bringt und sie in Ton formt. Doch ihm eine 1:1-Abbildung seines Seelenlebens zu attestieren, ginge zu weit. Ein entschiedenes Nein hört man von ihm, wenn man eine solche Vermutung äußert. Er wolle sich vor allem ins Menschliche einfühlen, sagte dieser Mann, der so zurückhaltend und leise ist, einmal.

Seine eigenen Aggressionen, Spannungen und Unzufriedenheiten fließen in den Schaffensprozess ein, ja. Alles andere sei eine Überinterpretation.

Seit rund 25 Jahren drückt Peter Zeiler seine Gefühle auf diese Weise aus. Obwohl er im März seinen 80. Geburtstag feiern kann, scheint die Schaffenskraft ungebrochen. Kein bisschen Altersmilde lässt sich in der Werken jüngeren Datums erkennen. Nach wie vor ist seine Linienführung kraftvoll-expressiv - egal ob er die den Kohlstift zur Hand nimmt oder Gemälde mit Acrylfarben komponiert.

Das Schwarze dominiert, wenngleich es scheint, als ob er in den letzen Jahren ein bisschen mehr Farbe beimischt - ein blutiges Rot, ein kaltes Blau oder mal ein warmes Ocker. Die Bilder sind wild und laut, voller Symbolik und Assoziationen. Kurz gesagt: Sie sind ausdrucksstark und lassen keinen Betrachter kalt.

Dabei scheiden sich die Geister. Die einen finden die Werke viel zu hart und abstoßend, die anderen lassen sich fesseln von der Energie eines großen Allgäuer Künstlers.

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