«Das Defizit ist uns auf Dauer zu hoch»

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Von Klaus-Peter Mayr
| Kempten In der Big Box Allgäu läuft es nicht rund: Im Durchschnitt fährt die Halle jährlich ein Minus von 700000 Euro ein. Geschäftsführer Christof Feneberg bittet nun die Stadt Kempten um Hilfe: Sie soll die Hälfte des Defizits ausgleichen. Wir sprachen mit Feneberg (43) über die Probleme.

Herr Feneberg, bei der Eröffnung der Big Box im Oktober 2003 waren sie euphorisch. Hat sich diese Stimmung angesichts der Verluste in einen Alptraum verwandelt?

Feneberg: Ich würde das nicht als Alptraum bezeichnen, sondern als Frustration, die sich schon vor einiger Zeit eingestellt hat. Wir hatten uns ja nicht zum Ziel gesetzt, mit der Big Box Geld zu verdienen, sondern dass der Betrieb kostendeckend läuft - ohne die Abschreibung des Gebäudes einzubeziehen. Das ist uns, entgegen unseren Erwartungen, nicht gelungen. Das erste Jahr war teuer, im zweiten Jahr hat es sich deutlich verbessert, deshalb waren wir sehr zuversichtlich. Im dritten Jahr stagnierten wir. Und im vierten Jahr ist es eher rückläufig gewesen.

Rechneten Sie mit mehr Publikum?

Feneberg: Nein, mit dem Publikumszuspruch sind wir insgesamt recht zufrieden. Die Mieter, also die Veranstalter, sind das Problem. Sie haben von Anfang an versucht, das Mietniveau herunterzudrücken - mit dem Argument, sie würden trotz guter Besucherzahlen zu wenig verdienen, und das Mietniveau sei woanders günstiger. Immer wenn ein Veranstalter nicht auf seine Kosten kommt, geht das große Gejammere los nach dem Motto: Kann nicht die Big Box dazu beitragen, das Defizit der Veranstalter abzumildern.

Wie verfahren andere Hallenbetreiber?

Feneberg: Grundsätzlich befinden sich große Hallen in kommunaler Hand oder werden von Betreibergesellschaften geführt, deren Defizite immer die Kommune übernimmt. Deren Mieten sind bei weitem nicht marktgerecht. Aber wir müssen uns daran orientieren, um beim Konzertangebot konkurrenzfähig zu sein.

Nochmals zur Publikumsresonanz: Haben Sie sich bisweilen eine vollere Halle gewünscht?

Feneberg: Generell läuft es gut. Es gibt aber einzelne Ausreißer, die uns sehr teuer kommen. Konkretes Beispiel: Die Clowns-Veranstaltung im April mit Weltklasse-Künstlern, die wir selbst organisierten. Wir haben die Eintritts-Preise bewusst moderat kalkuliert und hätten 1542 Besucher haben müssen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Doch es kamen nur 500 Besucher. Das hat uns richtig viel Geld gekostet. Fast zur gleichen Zeit lief die Clowns-Show in München und war an mehreren Tagen ausverkauft - mit Preisen, die weit über den unseren lagen. Das ist frustrierend.

Wenn Sie selbst als Veranstalter auftreten, können Sie doch günstigere Produktionen einkaufen und sparen.

Feneberg: Wir setzen auf Qualität, weil sich auf Dauer nur Qualität durchsetzt. Und in der Regel sind günstige Produktionen bescheiden in der Qualität. Wenn man Minderwertiges anbietet, machen das die Besucher nur einmal mit.

Welche Veranstaltungen kommen im Allgäu an, welche nicht?

Feneberg: Die Comedy-Schiene funktioniert hervorragend. Volkstümliches lief anfangs immer gut, inzwischen läuft nur, was topaktuell ist.

Und was läuft schlecht?

Feneberg: Bisweilen hochkarätige Rock-Pop-Veranstaltungen, die richtig teuer sind. Da kommen zwar viele Leute, sagen wir mal 5000. Aber um auf unsere Kosten zu kommen, müssten es eigentlich 6000 sein. Da kann ein supertolles Konzert am Ende 40 000 Euro Defizit bringen. Ob etwas funktioniert, weiß man vorher nie. Das ist wie ein Blick in die Glaskugel.

Würde es Ihnen etwas bringen, wenn Sie noch mehr Konzerte und Shows in der Big Box anbieten könnten?

Feneberg: Im Winter ist die Big Box extrem gut ausgelastet. Wir können viele Terminanfragen gar nicht mehr berücksichtigen. Das Sommer-Halbjahr ist dagegen schwach, weil wenige Produktionen unterwegs sind. Kurz gesagt: Im Winter sind wir am Anschlag, im Sommer lässt sich nicht mehr machen.

Wie stark macht Ihnen die Konkurrenz im Allgäu zu schaffen - Stichworte Altusrieder Freilichtbühne oder Festspielhaus Füssen?

Feneberg: Beides ist für uns Konkurrenz. Das Altusrieder Sommerfestival, ich meine damit nicht die Freilichtspiele, gibt es erst seit 2004. Sie haben Konzerte, die wir ohne weiteres auch bei uns anbieten könnten. Die Musicalproduktionen in Füssen habe ich nie als Konkurrenz gesehen. Jetzt aber gibt es dort auch Veranstaltungen mit einem breiten Spektrum. Das tut uns weh.

Also vertragen sich auf Dauer diese beiden Häuser im Allgäu nicht?

Feneberg: Solange sie ein ähnliches Angebot haben und auf die gleiche Weise bespielt werden, verträgt sich das definitiv nicht.

Ist die Big Box von der Größe her richtig dimensioniert?

Feneberg: Die Größe wirkt sich kaum auf die laufenden Kosten aus, ist also völlig in Ordnung.

Sie haben die Halle gerade für mehrere hunderttausend Euro klassiktauglich gemacht. Eine Fehlinvestition?

Feneberg: Nein. Wir befinden uns im Aufbau, und ein Klassik-Angebot für mehr als 900 Besucher hat es bisher nicht gegeben. Das letzte Konzert war fast schon kostendeckend, wir sind sehr zuversichtlich.

Sehen Sie eine Chance, überhaupt mal in die schwarzen Zahlen zu kommen?

Feneberg: Nein, das geht nicht. Die Kostensteigerungen, etwa beim Strom, fressen alle Einsparungen postwendend auf. Und höhere Eintritts- oder Vermietungspreise lassen sich nicht durchsetzen.

Eigentlich müssten sie zusperren.

Feneberg: Das tun wir nicht. Die Familie Feneberg hat eine Verantwortung übernommen für die Stadt und die Region. Die wollen wir nicht einfach loswerden. Wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt und werden sie auch auslöffeln. Das Defizit von 700000 Euro jährlich ist uns aber auf Dauer zu hoch. Deshalb haben wir uns jetzt an die Stadt gewendet mit der Bitte um Beteiligung bei den kommunalen Aufgaben, die wir mit der Big Box übernommen haben und die bisher für die Stadt entgegen der sonstigen Praxis umsonst waren. Aber wir werden weiterhin ein Defizit tragen müssen.

Wer zahlt das?

Feneberg: Die Familie Feneberg.

Momentan schaut es danach aus, dass der Kemptener Stadtrat Ihre Bitte nach Unterstützung erfüllt. Was passiert, wenn er das nicht tut?

Feneberg: Das weiß ich nicht. Davon gehe ich jetzt mal lieber nicht aus.

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