Allgäu
«Chaotisch und lebensgefährlich»

Weil sich gefährliche Begegnungen zwischen Skifahrern und Tourengehern auf Pisten häufen, ziehen Liftbetreiber im Allgäu ihre Konsequenzen. Während am Tegelberg bei Schwangau bereits Teile der Skipiste gesperrt wurden, überlegt man bei der Nesselwanger Alpspitzbahn sogar, das komplette Gebiet aus Sicherheitsgründen für Skitourengeher zu schließen.

«Es ist absolut chaotisch und lebensgefährlich, was sich da zum Teil abspielt», sagt der Geschäftsführer der Alpspitzbahn, Ralf Speck. An manchen Tagen steigen 50 bis 60 Tourengeher im Bereich der Skipiste auf. Ein Gutteil von ihnen hält sich nach Specks Beobachtungen nicht an die Regeln, die Deutscher Alpenverein und Deutscher Skiverband für das Skitourengehen auf Pisten aufgestellt haben.

Dazu gehört es, dass Tourengeher nur am Rand der Piste aufsteigen und abfahren, nicht nebeneinander gehen und sich an die Beschilderung halten sollten. «Doch die meisten ignorieren Regeln und Schilder», sagt Speck. Immer wieder kommen sich daher abfahrende Skifahrer und aufsteigende Tourengeher gefährlich nahe. Glücklicherweise sei es bislang noch nicht zu einer Kollision gekommen, sagt Speck.

Ein zusätzliches Ärgernis sind für den Liftbetreiber die Wintersportler, die abends auf Tour gehen, «kreuz und quer» auf der frisch präparierten Piste abfahren und somit die Arbeit der Schneeraupenfahrer zunichte machen. «Das verursacht uns Mehrkosten und höheren Aufwand», klagt Speck. Der Liftbetreiber sieht nur die Möglichkeit, an die Vernunft der Sportler zu appellieren. «Wenn das jedoch nichts hilft, werden wir das Gebiet nach Möglichkeit komplett für Skitourengeher sperren.» Gespräche mit der Gemeinde zu diesem Thema haben laut Speck bereits stattgefunden. «Es wäre schade, wenn es so weit kommt, aber die Gefahr und der wirtschaftliche Schaden werden für uns auf Dauer zu groß», sagt Speck.

Die Rechtssprechung bei derartigen Fällen ist noch nicht eindeutig. Nach Einschätzung des Skirechtsexperten des Deutschen Skiverbandes, Gerhard Dambeck, ist die Komplettsperrung einer Skipiste für Tourengeher aus Sicherheitsgründen jedoch gerechtfertigt. Wird das Verbot nicht respektiert, kann eine Geldbuße verhängt werden. Eine solche Sperrung darf eine Gemeinde vornehmen, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen am Berg. Zwar gilt in Bayern das Recht auf Naturgenuss, doch Dambeck stellt sich bei diesem Nutzungskonflikt klar auf eine Seite. «Meiner Ansicht nach hat der zahlende Skifahrer auf der Piste Vorrang.»

Die Zahl derer, die Skitouren auf Pisten gehen steigt unablässig. Beim Deutschen Alpenverein (DAV) spricht man gar von einem «irrsinnigen Boom». Verstimmt zeigt man sich daher über die zunehmende Problematik, die mit dem Tourengehen auf Skipisten verbunden ist. «Es ist sehr ärgerlich, wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten», sagt Manfred Scheuermann, der beim DAV für den Bereich «Skibergsteigen umweltfreundlich» verantwortlich ist. Seit dem Jahr 2003 befasst sich eine Projektgruppe des DAV mit der Thematik. Für 18 bayerische Skigebiete sind bislang konkrete Regelungen vereinbart.

Gegen völliges Verbot

DAV-Experte Scheuermann spricht sich gegen ein völliges Verbot der Touren auf Pisten aus. Um Konflikte zu minimieren, gibt es beim DAV Überlegungen, Pistenbenutzungsgebühren einzuführen und festgelegte Aufstiegsrouten für Skitourengeher auszuweisen. «Das könnte langfristig eine Lösung sein», sagt Scheuermann.

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