Eglofs / Kairo
Brieföffner im Handgepäck

Die «Klinge» des ägyptischen Brieföffners ist rund zehn Zentimeter lang. Damit taugt er als tödliche Waffe - zum Beispiel für ein Attentat an Bord eines Flugzeugs. Einen Anschlag hatte Werner Leutner aus Eglofs (Westallgäu) allerdings nicht geplant, als er mit dem Brieföffner im Handgepäck von Kairo nach München flog. Er wollte nur ein Souvenir und wundert sich noch immer, warum er das gefährliche Stück überhaupt im Duty-free-Shop am ägyptischen Flughafen kaufen konnte.

«Wie auf allen Flughäfen gibt es auch in Kairo zwischen den Gates Duty-free-Shops. Das ist normal», sagt der international tätige Geschäftsmann. «Nicht normal» fand er aber, dass er dort den Brieföffner kaufen und in seiner Fototasche mit in den Flieger nehmen konnte. Hätte er während eines Zwischenstopps in Frankfurt nicht aus Langeweile den Sicherheitsbereich verlassen, wäre das Souvenir unentdeckt geblieben «und ich hätte damit um die halbe Welt fliegen können».

In Frankfurt aber wurde der 53-Jährige erneut kontrolliert und der Brieföffner fiel auf, schildert er und fragt: «Was nutzen die schärfsten Kontrollen, wenn man kurz vor dem Einsteigen ins Flugzeug Waffen kaufen kann?» Eine Antwort gibt Heinrich Schuster, Pressesprecher des Luftamtes bei der Regierung von Oberbayern und

auch für den Allgäu Airport in Memmingen zuständig: «Nach derzeitigen EU-Vorgaben bestehen für den Verkauf von Waren im Sicherheitsbereich strenge Vorschriften. Es dürfen keine Waren verkauft werden, die auch im Handgepäck verboten sind.» Nach einer Liste der Bundespolizei und der Fluggesellschaft Air Berlin sind aber zum Beispiel Parfüm und Haarspray - beides leicht entzündlich - im Handgepäck erlaubt, solange sie in einzelnen Behältern mit weniger als 100 Millilitern Fassungsvermögen sind. Waren aus dem Duty-free-Shop dürfen in versiegelten, transparenten Verkaufstaschen ins Handgepäck. Diese Regelungen gelten für Flüge aus EU-Ländern und Flughäfen innerhalb der Europäischen Union - also für etwas mehr als 3000 Airports.

Bei Flugpassagieren aus sogenannten Unclean-Destinationen - alle Flüge, die von den knapp 40000 Flughäfen außerhalb der EU kommen - werden aber laut Schuster erfahrungsgemäß immer mal wieder verbotene Gegenstände gefunden. Da an diesen Flughäfen generell nicht der strenge EU-Sicherheitsstandard vorausgesetzt werden könne, müssen Passagiere aus diesen «unsauberen» (unclean) Destinationen an allen EU-Flughäfen Transferkontrollen durchlaufen. Das bedeutet, Leutner hätte «in Frankfurt einer Sicherheitskontrolle unterzogen werden müssen, auch wenn er den Sicherheitsbereich nicht verlassen hätte», sagt Schuster.

Was nun den ägyptischen Brieföffner angeht, den musste Leutner am Frankfurter Airport in seinem Rucksack verstauen und diesen dann als Reisegepäck aufgeben.

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