Ermittlungen
Brandanschlag auf geplante Asylbewerber-Unterkunft in Neugablonz

Mehrere hunderttausend Euro Schaden sind am frühen Sonntagmorgen bei einem Dachstuhlbrand im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz entstanden. Besonders brisant: Das Gebäude in der Wiesenthaler Straße, mitten in einer kleinteilig strukturierten Reihenhaussiedlung, wird derzeit für die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen umgebaut.

Die Polizei schließt derzeit zwar einen technischen Defekt nicht aus, nach Informationen unserer Zeitung verdichten sich aber die Anzeichen, die auf eine vorsätzliche Brandstiftung und damit einen fremdenfeindlichen Hintergrund hindeuten. Gestern waren den ganzen Tag über Ermittler der Kriminalpolizei am Brandort, sicherten Spuren und befragten Anwohner.

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Stunden zuvor hatten rund 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr fast eineinhalb Stunden mit meterhohen Flammen zu kämpfen. Gegen 4.15 Uhr war der Alarm bei der Leitstelle eingegangen. Zum Zeitpunkt des Brandes war das Gebäude unbewohnt. Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse war schon frühmorgens zu dem Haus geeilt. Die Stadt ist Eigentümerin der Immobilie, er damit Hausherr.

Das Heim war in der Vergangenheit von der Initiative Neugablonz (IN) als Vereins- und Stadtteiltreff genutzt worden. Nachdem sich die Initiative im vergangenen Jahr aufgelöst hatte, plante die Stadt, das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen.

Bosse sieht den Brand mit großer Sorge: "Einem Bürgermeister geht es immer um den Frieden in der Stadt. Eine Brandstiftung wäre schrecklich für das friedliche Zusammenleben." Rund 300.000 Euro investierte die Stadt in die Umbauarbeiten, im Frühjahr sollte das Haus mit Flüchtlingen belegt werden.

Doch in Neugablonz gab es schon im Oktober vergangenen Jahres Widerstand gegen die Pläne. In einer Unterschriftensammlung sprachen sich Anwohner gegen eine Flüchtlingsunterkunft aus. Kritik hatte es zudem von Eltern gegeben, deren Kinder die Tagesstätte in direkter Nachbarschaft des Hauses besuchen. "Erst mit der Zusage der Stadt, das Gebäude ausschließlich mit Familien zu belegen, trat zumindest nach außen hin eine Beruhigung ein", erzählt Bosse.

Der Stadtrat hatte das Vorhaben mit großer Mehrheit beschlossen. "Wir müssen davon ausgehen, dass auch in diesem Jahr wieder rund 600 Flüchtlinge in Kaufbeuren unterzubringen sind. Dafür braucht die Stadt aber auch das jetzt weitgehend zerstörte Haus", meint der Oberbürgermeister weiter. Bosse bangt um das Image Kaufbeurens. Die Stadt stehe bislang für Offenheit, Toleranz und gelungene Integration. Das dürfe sich auch in Zukunft nicht ändern, sagte Bosse gegenüber unserer Zeitung.

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