Kempten
Big Box wird zur Suppenküche

Wenn ein Koch seine Gäste hungrig nach Hause schickt, sagt das nichts Gutes über ihn. Auch Fernsehkoch Horst Lichter mag es nicht, wenn ihm der Magen knurrt, und will dieses Gefühl daher niemandem zumuten. Deswegen gibts nach seinem Auftritt in der Big Box in Kempten Suppe für die Zuschauer - wenige Minuten davor auf der Bühne angerührt.

Fischstäbchen mit Orangensaft

Seine Zubereitungsmethoden muten dabei recht rustikal an. Ein ganzer Becher Salz? Wird schon passen. Zwiebeln? Lieber ein paar Stück mehr. Zum Ausgleich für den kräftigen Fond gibts dann eben noch zehn Liter Milch zusätzlich in den Topf. Und auch Lichters Kreation «Fischstäbchen mit Orangensaft» macht nicht den Eindruck, als entspringe sie der Standardküche. Doch «der Horst weiß genau, was er macht», urteilte Starkoch Johann Lafer einmal über seinen Kollegen.

Und Lichter weiß offensichtlich nicht nur hinter dem Herd, wie er die Zutaten in die richtige Reihenfolge bringt. Er kann auch als Komiker die rund 800 Zuschauer in Kempten begeistern. Gut zwei Stunden philosophiert der 47-Jährige über die Welt der Kochtöpfe und Rezepte.

Dabei nimmt er allerlei aufs Korn: Sushi - «Ich will kochen und keinen kalten, toten Fisch falten»; Kalt gepresstes Olivenöl - «es gibt kein heiß gepresstes Olivenöl, die verarschen uns doch, wo sie können» oder vegetarische Ernährung - «Habe ich Hufe oder trage ich einen Sattel?». Nein, viele moderne Entwicklungen hinter dem Herd sind «Horsties» Sache nicht. Der selbst ernannte Butterpapst steht mehr auf deftige Hausmannskost und spricht damit dem Publikum aus der Seele. Das verzeiht im dank seiner sympathischen Art auch den einen oder anderen platten Spruch. Denn die gibts auch bei anderen Komikern.

Doch Lichter kann nicht nur über das Leben hinter dem Herd unterhaltsam plaudern. Einer der Höhepunkte des Abends ist sein Rückblick in die siebziger Jahre. Im quietschgrünen Hemd und Schuhen mit Plateausohlen berichtet er herrlich anschaulich von einem offensichtlich traumatischen Friseurbesuch, der mit einer Frisur endet «wie Atze Schröder nach einem Brandanschlag». So bleibt ein unterhaltsamer Abend in Erinnerung, mit dem sich Lichter nicht nur als Koch weiterempfiehlt.

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