Bibliothekar stahl: Familie jetzt vor Gericht

Lindau/Kopenhagen (rue/dpa). - Für Dänemark ist es ein Diebstahl von Kulturgut ungeheuren Ausmaßes: Jahrelang hat ein Wissenschaftler wertvolle Bücher aus der Königlich-Dänischen Nationalbibliothek gestohlen. Jetzt ist ein Teil seiner Verwandtschaft wegen Hehlerei angeklagt, darunter seine Schwiegertochter aus der Region Lindau. Der Fall hatte in Dänemark großes Aufsehen erregt. Immerhin geht es um den Diebstahl von 3200 Büchern im Wert von zwölf Millionen Euro, darunter Handschriften von Immanuel Kant und Atlanten aus dem 15. Jahrhundert. Vor Gericht in Kopenhagen müssen sich seit Montag die Witwe des vor einem Jahr gestorbenen Wissenschaftlers, deren Sohn und dessen aus dem Landkreis Lindau stammende Frau sowie ein dänischer Freund der Familie verantworten Sie sollen die Bücher als Hehler verkauft haben. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Kempten nicht nur gegen die deutsche Schwiegertochter der Familie, sondern auch gegen deren Mutter aus dem Landkreis Lindau. Bei ihr wurden vier gestohlene Bücher gefunden.

Jeden Tag ein Diebstahl Die beiden Lindauerinnen werden verdächtigt, die Bücher zumindest teilweise an Auktionshäuser angeliefert zu haben. Den Erlös von 600000 Euro für 32 Bücher hat die deutsche Schwiegertochter nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) München auf ein Konstanzer Konto überweisen lassen. Medien berichteten, dass hoch angesehene Ostasienfachmann fast 20 Jahre lang durchschnittlich an jedem Arbeitstag ein Buch entwendet haben muss. Dabei wählte er nur die wertvollsten aus. Bis zu seinem Tod fiel kein Verdacht auf ihn. Aufgeflogen ist der Diebstahl laut LKA, als die Stuttgarter Niederlassung des Londoner Auktionshauses Christie's die ihm angebotenen Bücher überprüfte. Inzwischen sind 1800 der 3200 verschwundenen Bücher sichergestellt worden.

Razzia erfolgreich Kurz nach einer Razzia im Haus des Bücherdiebs vor fünf Monaten, bei der allein 722 der gestohlenen Bücher gefunden wurden, wurden die jetzt Angeklagten festgenommen. Sie erklärten, sie hätten geglaubt, der verstorbene Bibliothekar habe die Bücher rechtmäßig von einem auf Antiquitäten spezialisierten Buchhändler gekauft. Dieser ist inzwischen ebenfalls gestorben.

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