Bessere Versorgung bei Schlaganfall

Kempten/Memmingen(bil). - Günzburg ist von Kempten und Memmingen gerade einmal drei Computer-Mausklicks entfernt. Mit ihnen kann ein Arzt im Klinikum Kempten oder Memmingen per Video-Konferenz einen Nerven-Facharzt des Bezirksklinikums Günzburg zur Untersuchung eines Patienten hinzuziehen, erläutert der Günzburger Oberarzt Dr. Andreas Wiborg. Das soll zusammen mit regelmäßigen Visiten der Günzburger Neurologen helfen, die Versorgung von Schlaganfall-Patienten in der Region deutlich zu verbessern. Ob ein Schlaganfall-Patient überlebt oder welche Folgeschäden er davon trägt, hängt nach Angaben des ärztlichen Direktors des Bezirkskrankenhauses Günzburg, Prof. Dr. Bernhard Widder, von vier Dingen ab: Ob der Patient innerhalb von maximal drei Stunden in der Klinik eintrifft, ob ein erfahrender Neurologe ihn mitbetreut, ob Komplikationen verhindert werden und ob der Patient frühzeitig mit der Rehabilitation beginnen kann. Damit das gewährleistet wird, sind laut Widder bayernweit 15 Schlaganfall-Zentren ('Stroke Units') eingerichtet, eines davon in Günzburg. Damit auch die Patienten auf dem Land vom Wissen der dortigen Fachärzte profitieren, haben die Günzburger Ärzte nach Angaben von Oberarzt Wiborg 2001 das Projekt Telemedizin zur Schlaganfallversorgung in Schwaben' (TESS) ins Leben gerufen.

In ihm seien innerhalb von zwei Jahren 150 Patienten per Videokonferenz behandelt worden. In mehr als 80 Prozent der Fälle hätten die Ärzte vor Ort das Einschalten der Günzburger Fachkräfte als 'sehr relevant' bezeichnet, hob Wiborg hervor. Allerdings sei nur ein Viertel aller Schlaganfall-Patienten mit TESS behandelt worden. Und: Die Telemedizin ersetze dauerhaft nicht den Experten vor Ort. Diese Mankos wollen die Beteiligten nun ausmerzen. In einer zweiten Projekt-Runde sollen die Patienten jederzeit telemedizinisch in Günzburg betreut werden. Außerdem ist jetzt ein Neurologe zweimal pro Woche in Kempten und Memmingen, um die Patienten persönlich zu untersuchen. Die Kliniken im Donau-Ries sollen bis Jahresende folgen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich laut Wiborg auf 300000 Euro. Sie werden von Krankenkassen übernommen. Zum Vergleich: Treten schwere Folgeschäden auf, muss bei nur einem Patienten mit Kosten von 200000 Euro gerechnet werden - vom persönlichen Schicksal ganz zu schweigen.

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