Ausbildung bleibt in Händen der Bundeswehr

Von Dirk Ambrosch | Kaufbeuren Die technische Ausbildung an der Luftwaffen-Schule in Kaufbeuren bleibt in Händen der Bundeswehr. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind damit die Pläne über eine weitgehende Kooperation mit der Industrie auf dem Fliegerhorst vorerst vom Tisch.

Bereits im Jahr 2000 hatte es von Seiten der Industrie erste Vorschläge über eine derartige Zusammenarbeit gegeben. Bemüht hatten sich um das Projekt neben dem Münchener Software- und Logistikunternehmen ESG auch der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sowie Siemens und die Lufthansa. Ziel war es, die Technische Schule zu einem international agierenden, profitablen Ausbildungszentrum auszubauen. Neue Arbeitsplätze und die Ansiedlung von weiteren Unternehmen wurden in Aussicht gestellt. Auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst schult die Bundeswehr das komplette technische - aber nicht fliegerische - Personal der Luftwaffe unter anderem für den Tornado und den neuen Eurofighter.

Das Bundesverteidigungsministerium hat sich nach 'intensiven Detailuntersuchungen' gegen die Kooperation mit der Industrie entschieden und setzt stattdessen ab 1. April 2008 auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst das so genannte 'Optimierte Eigenmodell' (siehe Info) um. Zur Begründung führt das Ministerium 'nicht eindeutig nachweisbare wirtschaftliche Vorteile einer Kooperationslösung' an. Weiter sei eine Industrie-Zusammenarbeit mit 'nicht ausreichend kalkulierbaren Risiken' verbunden.

Noch vor drei Jahren war man dagegen bei der Bundeswehr von ganz anderen Zahlen ausgegangen. Ein beauftragter externer Berater hatte im Jahr 2004 einen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen dem Kooperationsmodell und dem Optimierten Eigenmodell (OEM) aufgestellt. Diesen Berechnungen zufolge wies das Kooperationsmodell über einen Zeitraum von zehn Jahren einen Kostenvorteil von rund 110 Millionen Euro aus.

Dass sich das Ministerium nun im November für das OEM und nicht für die Industrielösung entschied, hat vermutlich nicht zuletzt mit der Einschätzung des Bundesrechnungshofes zu tun. Die Behörde hatte bereits Mitte 2006 auf Mängel im Wirtschaftlichkeitsvergleich hingewiesen. So sei unter anderem das von der Industrie angepeilte Drittgeschäft mit 'weit überhöhten Gewinnen' in die Berechnung eingeflossen. Bei vollständiger Korrektur der Mängel kehre sich der Kostenvorteil um und liege mit 105 Millionen Euro beim OEM. In seinem im November dieses Jahres veröffentlichten Jahresbericht bewertete der Rechnungshof die geplante Privatisierung der Luftwaffenschule als 'unwirtschaftlich' und äußerte in diesem Zusammenhang harsche Kritik: 'Die Bundeswehr lässt erhebliches Einsparpotenzial beim Betrieb der Luftwaffenschule ungenutzt, weil sie noch auf unrealistisch günstige Angebote privater Kooperationspartner hofft.'

Im Verteidigungsministerium lässt man diese Kritik nicht gelten. Die 'dargestellten, angeblichen Mängel des Wirtschaftlichkeitsvergleichs' seien bereits vor dem Hinweis des Rechnungshofes untersucht worden. Nach Abschluss der umfangreichen Untersuchungen habe man jetzt die Entscheidung für das OEM getroffen.

Der Bundestagsabgeordnete Kurt Rossmanith (CSU) kritisierte, das sich nahezu acht Jahre ziehende Verfahren hätte 'schneller und zügiger abgewickelt werden können und müssen'. Die Ungewissheit habe 'Verunsicherung' auf dem Fliegerhorst geschaffen. Zudem seien der Industrie 'enorme Kosten' entstanden, sagte Rossmanith. Derartiger Kritik wollte sich der Geschäftsführer des Münchener Unternehmens ESG, Gerhard Schempp, nicht anschließen. Die ESG hatte sich seit dem Jahr 2000 um ein Engagement in Kaufbeuren bemüht. Schempp sagte, er sei von der Entscheidung 'nicht enttäuscht', wenngleich für den Standort 'mit der Industrie mehr möglich gewesen' wäre.

Die Entscheidung sei bis zuletzt offen gewesen, sagte der Kommandeur des Kaufbeurer Fliegerhorstes, Oberst Detlef Thull. 'Es hat kein Hinhalten der Industrie gegeben', betonte Thull. Mit dem Beschluss für das Optimierte Eigenmodell sei 'Kaufbeuren als Standort für Ausbildung zukunftssicher'.

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