Allgäu
Auf Suche nach festem Wohnsitz und Büroräumen

Berlin Seit dem 27. Oktober liegt die Zukunft unseres Landes in den Händen von 622 Abgeordneten. Dem 17. Deutschen Bundestag gehören mit Dr. Gerd Müller, Stephan Stracke und Stephan Thomae auch drei Allgäuer an. Die AZ hat sie auf dem Weg zu ihren ersten Sitzungen und im Berliner Abgeordnetenalltag begleitet.

«Ich kann leider noch keine Besuche empfangen», entschuldigt sich Stephan Stracke. Er sitzt derzeit mit Andrea Schulz und Beate Giese im früheren Vorzimmer seines Vorgängers Kurt Roßmanith. «Ich habe auch noch keine Wohnung und lebe wie die meisten Neulinge im Hotel.» Zeit für die Wohnungssuche bleibt dem Kaufbeurer derzeit wenig, denn die Arbeit im Bundestag und in der CSU-Landesgruppe fordert ihn.

«Die konstituierende Sitzung im Plenarsaal war ein tolles Erlebnis, aber mir zu wenig feierlich. Es war sehr geschäftsmäßig und es gab nicht mal eine Nationalhymne», stellt er fest. Auch bei der Feier zu 20 Jahren Mauerfall waren er und seine Kollegen außen vor. Der Krimifan verfolgte das Feuerwerk vom Dach des Reichstags. Dort traf er seine Kemptener Kollegen Dr. Gerd Müller und Stephan Thomae. Die drei verstehen sich als Sprachrohr für das Allgäu und wollen Themen wie Ausbau B12 oder Landwirtschaft voranbringen.

Müller sitzt zwar schon seit 15 Jahren im Bundestag, aber auch für ihn baut sich nun ein neuer Spannungsbogen auf. Er hat neue Büroleiterinnen in Ministerium und Abgeordnetenhaus und will dem Verbraucherschutz mehr Gewicht verleihen: «Das Thema gesunde Ernährung geht uns alle an.» Der 54-jährige freut sich auf die Sitzungswochen: «Berlin ist spannend, man spürt förmlich die Bewegung dieser Stadt.» Doch Konferenzen und Tagungen fordern dem bekennenden Milchtrinker viel körperliche und geistige Disziplin ab. «Der Wechsel der Einsatzorte ist eine Belastung für den Körper.» Auf dem Weg zu Tagungen und Messen sitzt Müller oft im Flugzeug oder Zug: «Manchmal weiß ich gar nicht mehr wo ich aufwache.» Da bleibt für ihn wenig Zeit für die Familie, seine Frau Gertie begleitet ihn nur zur Grünen Woche.

Hier verspricht sich Stephan Thomae mehr Freiräume. Für seine Kanzlei in Kempten wird der Rechtsanwalt künftig wenig Zeit haben, will sich nur noch um Mandanten mit «höchstpersönlichem Bezug» kümmern. Dafür will er sich Zeit für die drei Kinder nehmen: «Ich richte gerade eine Internet-Kamera-Verbindung zu meiner fünfjährigen Tochter Felicitas ein.» Der 41-jährige Freizeit-Dirigent wohnt übergangsweise bei Bekannten und sucht nach einer Wohnung mit Platz für die Familie.

Thomae hat nicht mal ein eigenes Büro und ist auf Kollegenhilfe angewiesen. Seine Mitarbeiterin Natascha Trevisas erweist sich hier als Improvisationstalent mit Bundestagserfahrung. Ihr Chef pendelt noch zwischen Freude über den Wahlerfolg und dem Ernst der Arbeit: «Ich sitze in meinem Königsausschuss, dem Rechtsausschuss.

» Dort will er sich Themen wie Urheberrecht im Internet, Vorratsdatenspeicherung oder Online-Durchsuchung widmen. Vermutlich wird er im Frühjahr erstmals am Rednerpult im Reichstag stehen.

In Fraktion und Verwaltung wird Thomae häufig mit der Frage «Sind Sie der Sohn des Abgeordneten Thomae?» empfangen. Doch der Allgäuer klärt rasch mit einem Schmunzeln auf: «Das ist mein Onkel Dr. Dieter Thomae, der 19 Jahre lang für den Kreis Ahrweiler im Bundestag saß. Ich komme aus dem Allgäu und führe die Familientradition fort.»

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