Auf dem Traktor durch die Republik

Von Markus Bär, Aufkirch/Berlin - Das 'gepfählte Rind', das in Zeiten der BSE-Krise als Symbol für den Umgang des Menschen mit der Natur in Aufkirch (Ostallgäu) aufgestellt worden war und viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, steht nun im Freilichtmuseum in Berlin-Dahlem. Der Aufkircher Biobauer Alois Hofer, auf dessen Grund die Kuh von 2001 bis 2002 errichtet war, wählte einen ungewöhnlichen Weg, um die Skulptur in die Hauptstadt zu bringen: Er fuhr mit Traktor und Anhänger - übliches Tempo 40 Stundenkilometer - quer durch die Republik. Eine Delegation von Bioland-Bauern und Funktionären aus Berlin/Brandenburg hatten die von dem Künstler Joachim Maria Hoppe geschaffene Stahlkuh bei einem Besuch im Allgäu kennen gelernt und war sofort 'Feuer und Flamme', wie Hofer berichtet. Das Dahlemer Museum, eine Art Bauernhofmuseum, wurde als Ausstellungsort anvisiert. Es soll demnächst zusätzlich als Ernährungsmuseum dienen. Vergangene Woche war es so weit. Morgens um 5.30 Uhr zockelte Hofer mit seinem 60-PS-Schlepper vom heimischen Hof in Richtung Norden. Die Autobahn konnte Hofer für seine Reise freilich nicht benutzen und er musste auf Bundes-, Kraftfahr- und übliche Landstraßen ausweichen. 'Deutschland ist nicht unbedingt schlepperlangstreckentauglich', meint Hofer ironisch. Über Augsburg, Neuburg, Eichstätt, Nürnberg, Bayreuth (direkt am Festspielhaus vorbei) und Hof ging es nach Töpen, einem Ort zwei Kilometer vor der alten Zonengrenze.

Dort übernachtete Hofer - nach 13 Stunden quasi nonstop im Traktor. 'Ich habe noch nie meditiert, aber bei dieser Fahrt ergab sich die Meditation von allein.' Radio hören war auch nicht sinnvoll, weil bei der normalen Reisegeschwindigkeit der Motor den Radiolautsprecher übertönte. 'Man erlebt Entfernung ganz anders', so Hafer weiter. Das sei auch ein Grund für ihn gewesen, ausgerechnet mit dem Traktor in die Bundeshauptstadt zu fahren. Und symbolisch wollte er mit der Fahrt die Probleme, die es auf dem Land speziell in der Landwirtschaft gebe (er spricht dabei neben BSE und Maul- und Klauenseuche von Gentechnik), in die Stadt bringen. Am zweiten Reisetag saß Hofer noch einmal 13 Stunden im Schleppersattel - via Gera, Leipzig (hier wiederum direkt am Völkerschlachtdenkmal vorbei), Wittenberg, Bad Döbeln, Potsdam nach Berlin. 'Was mir seltsamerweise besonders in Erinnerung blieb, waren Schilder mit dem Aufdruck ,Gewerbegebiet zu verkaufen', dann ,Getränkemarkt' und die völlig menschenleeren Dörfer.' Schließlich kam Hofer in Berlin an. Man beschloss, noch eine Runde mit der Kuh ins Stadtzentrum zu unternehmen und parkte auch am Reichstag. Der Erschaffer des Kunstwerkes, Joachim Maria Hoppe, war unterdessen mit einem Lkw nach Berlin gekommen, um das Kunstwerk mit zu übergeben und Hofer samt Schlepper wieder heimzubringen. Ob das gepfählte Rind je wieder zurück ins Allgäu kommt, ist noch unklar. Laut Vertrag bleibt das Kunstwerk mindestens drei Jahre in dem Berliner Museum.

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