Auch eine WM der Medien

Oberstdorf (twß). - 'Welcome' steht auf einer großen Tafel am Eingang des Kurhauses Oberstdorf und auch drinnen im Kleinen Kursaal macht man einen auf international. Da plaudert der Fernsehmann aus Estland mit der Kollegin aus Kroatien nicht nur über die EU-Erweiterung, sondern auch über die Größe von Reporterkabinen. Und da fachsimpeln der Finne und der Franzose über die beste Position des Übertragungswagens. Beim 'World Broadcasting Meeting' (to broadcast = übertragen), zu dem sich neun Monate vor der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft die Vertreter der übertragenden Fernseh-Stationen in Oberstdorf getroffen haben, wird - wie es ARD-Teamchef Werner Rabe ankündigt - 'das Fernseh-Ereignis 2005 schlechthin' vorbereitet. ARD und ZDF sind die produzierenden TV-Anstalten. Unter dem Namen TRIO (Television Radio International Oberstdorf) stellen 'das Erste' und 'das Zweite' weltweit Fernsehbilder zur Verfügung und sorgen mit Kameras, Kabeln, Satelliten-Schaltungen und vielem anderen mehr auch für die technische Ausstattung. In dieser Woche gingen nun etwa 30 Fernsehleute auf Erkundungstour: Sie inspizierten die Langlauf-Strecken, bestiegen den Sprungturm der Schattenberg-Schanze und malten sich im Kurpark schon einmal aus, wie die Siegerehrungen ablaufen. Werner Rabe und sein Kollege Peter Leissl vom ZDF zeigten Ausschnitte aus ihren Übertragungen von der Vor-WM im Februar und erhielten dafür von den ausländischen Kollegen größtes Lob. Vor allem mit der 530 Meter langen Seilkamera, die quer über das Langlauf-Stadion im Ried flog, seien erstklassige Bilder in die Wohnzimmer gesendet worden. Doch TRIO möchte sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen. 'Salt Lake City war ein Meilenstein in der Übertragung von Langlauf-Veranstaltungen, aber bei der WM in Oberstdorf wollen wir noch eine Schippe drauflegen', begründet Rabe den großen technischen und finanziellen Aufwand. Beim Langlauf kommen 68 Kameras (so viel wie noch nie) zum Einsatz und werden die Sportler auch in die hintersten Winkel des Loipennetzes verfolgen. Hinzu kommen fünf Superzeitlupen und acht drahtlose Kameras auf Motorschlitten, Laufbändern und der Seilvorrichtung. Auch beim Skispringen wollen die Fernsehleute 'neue Maßstäbe' in der Sportübertragung setzen: 27 Kameras, ein 80 Meter hoher Kran hinter dem Turm, drei Superzeitlupen und zwei Kameras in der Anlaufspur sind eingeplant. Dass die öffentlich-rechtlichen Sender alles in die Waagschale werfen, was sie können, mag auch politische Gründe haben. Schließlich muss der internationale Skiverband FIS 2009 entscheiden, ob der Fernsehvertrag für Weltmeisterschaften mit den öffentlich-rechtlichen Sendern fortgeführt wird oder ob - wie beispielsweise beim Skisprung-Weltcup RTL - die privaten Sender zum Zug kommen sollen. 'Von dieser kleinen fernseh-internen Konkurrenz werden wir natürlich profitieren', strahlt Oberstdorfs Bürgermeister Thomas Müller. Er versprach den Verantwortlichen von TRIO die größtmögliche Unterstützung durch die Marktgemeinde und das Organisationskomitee. 'Das war das beste Broadcaster-Meeting, das ich erlebt habe', zog der als Langlauf-Redaktions-Papst geltende Kalevi Uusivuori aus Finnland positive Bilanz der drei Oberstdorf-Tage. Und auch Ingolfur Hannesson, Manager für Winter- und Hallensport bei der Europäischen Rundfunk-Union EBU freut sich schon jetzt auf die WM: 'ARD/ZDF und das Organisationskomittee in Oberstdorf haben das hier so perfekt vorbereitet, dass nichts mehr schief gehen kann.' Die Titelkämpfe werden 'bestimmt auch eine WM der Medien', ist der Isländer überzeugt. Schließlich sei der nordische Skisport extrem im Aufwind. 'Außerdem ist das hier so ein schöner Fleck Erde, der viel Tradition im Skisport hat, über jede Menge Know-how im Skisport verfügt und ein tolles Publikum hat', so Hannesson.

Großes Aufgebot Insgesamt werden zur WM im nächsten Jahr rund 1000 Redakteure und Techniker vom Fernsehen sowie weitere 500 Radio-, Print- und Fotojournalisten erwartet.

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