Kempten
An der Zapfsäule rasselt viel Geld in den Tank

«Papa, weißt Du eigentlich, was die Internalisierung externer Kosten ist?» Wenn Sie diesen Satz demnächst beim Frühstück hören und schlucken, weil Sie keine Ahnung haben, kann das nur eines bedeuten: Ihr Nachwuchs war bei der gestrigen Vorlesung «Warum ist das Benzin so teuer?» von Diplom-Volkswirt Anselm Dohle-Beltinger an der Hochschule Kempten. Die Aktion «Kinder-Uni» gibt es seit 2005 und sie wird von der Allgäuer Zeitung als Medienpartner begleitet.

Aufmerksam verfolgen nicht nur die Acht- bis Zwölfjährigen die Ausführungen ihres Dozenten. Auch die Eltern durften ausnahmsweise mit in den Hörsaal - für viele war es sicher auch neu, wie der hohe Benzinpreis wirklich zustande kommt.

Gespannt sitzen die Freundinnen Selina und Evelyn vor ihren Klapptischen. Ob sie schon eine Ahnung haben, warum Benzin so viel kostet? «Nein, aber ich war schon beim Tanken dabei und habe geholfen», sagt die elfjährige Evelyn. «Ich mag das Benzin nicht - es stinkt», findet Selina. Für die beiden noch Ahnungslosen und die anderen etwa 80 Kinder zeigt Dohle-Beltinger an einem Rechenbeispiel, aus welchen Elementen sich der Benzinpreis überhaupt zusammensetzt (siehe Infokasten). Es fallen Begriffe wie Produktpreis oder Erdölbevorratungsabgabe, die der Dozent aber in gekonnten Bildern erklärt.

Für Schäden bezahlen

Schließlich wird klar: den größten Teil des Preises machen die Steuern aus. Denn mit diesen müssen alle Schäden, die durch Autofahren entstehen, bezahlt werden. Abgase verschmutzen die Luft, Straßen müssen gebaut werden - das alles ist teuer.

«Fändet ihr es gerecht, wenn ich von eurem Geld ein Fahrrad kaufe aber euch nicht fahren lasse?», fragt der Dozent weiter. Empörtes Kopfschütteln in den Reihen. «Seht ihr. Darum müssen auch nur die Menschen für die Schäden bezahlen, die sie auch verursachen und keiner, der gar nicht Auto fährt», sagt Dohle-Beltinger, «das nennt man die Internalisierung externer Kosten». Das finden alle kleinen Zuhörer mehr als gerecht. Und aufgrund der vielen Schäden, die sie kennengelernt haben, verstehen sie, dass die Steuern eben so hoch sein müssen.

Wenn Sie nun nach dem nächsten Tanken fluchend ins Auto steigen, wundern Sie sich nicht, wenn es vom Rücksitz flüstert: «Mama, das muss doch so sein, das ist doch die Internalisierung externer Kosten».

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