Allgäuer Kinder häufig chronisch darmkrank

Lindau (bil). - Im Allgäu leiden überproportional viele Kinder an einer schwerwiegenden chronischen Weizen-Unverträglichkeit (Zöliakie). Das stellte der Chefarzt der Kinderabteilung im Klinikum Kempten-Oberallgäu Dr. Herbert Müller gestern bei einer Fachtagung in Lindau fest. Verantwortlich dafür sei, dass die Allgäuer bis vor wenigen Jahrzehnten größtenteils untereinander geheiratet haben. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in Deutschland sei das Allgäu ausreichend mit Spezialisten für Darmkrankheiten von Kindern versorgt. Wie Müller erklärte, wird die Weizen-Unverträglichkeit, eine chronische Darmerkrankung, in vielen Fällen vererbt. Sie trete deshalb in Gebieten mit einer sehr stabilen Bevölkerungsstruktur häufiger auf als in Gegenden mit starkem Zuzug. Wer an Weizen-Unverträglichkeit leidet, müsse sein ganzes Leben lang bestimmte Getreidearten meiden. Als positiv stellte der Mediziner jedoch heraus, dass das Allgäu mit Spezialisten für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz und der Ernährung von Kindern (Pädiatrische Gastroenterologie) vergleichsweise gut versorgt ist. Während in vielen Gegenden Deutschlands solche Experten fehlten, seien sie im Allgäu an den Kliniken in Kempten und Memmingen vertreten.

Der Einzugsbereich der Kliniken sei allerdings recht groß. So würden in Kempten Kinder vom Bodensee bis jenseits des Lechs behandelt, sagte Müller, der in Lindau eine Fachtagung mit über 300 Spezialisten und 27 Ausstellern organisierte. Problematisch ist nach Angaben von Experten, dass Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern oftmals erst nach langem Leidensweg festgestellt werden. Die kleinen Patienten würden häufig aber auch von Medizinern betreut, die Magen-Darm-Erkrankungen von Erwachsenen als Spezialgebiet haben, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), Dr. Sibylle Koletzko. Dabei benötigten Kinder eine ganz spezielle Medikamenten-Dosierung und eine ganz andere psychosoziale Betreuung als Erwachsene. 'Wenn ein Kind an Morbus Crohn erkrankt, betrifft das die ganze Familie', unterstrich Koletzko. Ihre Organisation versucht deshalb, ein Netz von Fachärzten für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern aufzubauen. Wie GPGE-Vorsitzender Prof. Dr. Klaus-Peter Zimmer erklärte, ist man dabei aber mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert. So könne zwar ein Magen-Darm-Spezialist für Erwachsene Untersuchungen an Kindern abrechnen. Nicht aber eine auf Kinder spezialisierte Ambulanz an Krankenhäusern.

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