Zwischen Diagrammen und Wetterkarten

Von Sylvia Rustler, Legau/Ottobeuren - Die einen müssen mühsame Nachhilfestunden nehmen, den anderen ist der Schulstoff noch lange nicht genug. Andreas Albrecht und Dominik Niederlechner fühlen sich zwischen Computern oder komplizierten Versuchs-Aufbauten wohl. Naturwissenschaftliches Forschen ist ihr Hobby, Physik und Mathematik sind ihre Stärken. Beim Regionalwettbewerb 'Jugend forscht' in Augsburg (wir berichteten) wetteiferten die beiden Unterallgäuer mit 62 Konkurenten um die besten Projekte und Ideen. Der 15-jährige Albrecht vom Memminger Vöhlin-Gymnasium stellte seine Online-Wetterwarnung in der Kategorie 'Geo- und Raumwissenschaften' vor. Durch einen Zeitungsartikel war er auf die Problematik zahlreicher Unwetterschäden aufmerksam geworden. Im Internet ging er auf die Suche nach Daten zum aktuellen Wetter. Dass dann auch noch ein Hagelsturm den Sonnenkollektor der Legauer Familie Albrecht zertrümmerte und das Auto einer Bekannten beschädigte, spornte ihn weiter an, eine Unwetter-Warnung zu erfinden. Das von ihm entwickelte Programm trägt die Infos aus dem Netz alle fünf Minuten automatisch zusammen. Jeder Bezieher des Dienstes bekommt eine E-Mail, je nach dem, ob er sich zum Beispiel vor Hagel, Orkanböen oder Schneefall warnen lässt. 'Rote Markierung bedeutet extremes Unwetter', zeigt Albrecht auf eine Wetterkarte Deutschlands, die er aus einer orangen Mappe zieht. Dann breitet er alles aus, was mit 'Jugend forscht' zu tun hat. Sogar das Zulassungs-Schreiben hat er noch. Er qualifizierte sich zwar nicht für die nächste Runde, aber entmutigt ist der 15-Jährige deswegen nicht: 'Ich will nun auch vor Pollenflug und Grippeaktivität warnen', sagt er. Dominik Niederlechner aus Ottobeuren hat von seinen Forschungen doppelt profitiert. Sein Facharbeits-Thema wurde bei 'Jugend forscht' mit dem Regionalsieg Physik ausgezeichnet. Für sein Abitur verspricht er sich, dass die Arbeit auch vom Lehrer gut bewertet wird. Er untersuchte, wie sich schwarz gefärbtes Wasser in einem Kollektor im Vergleich zu klarem verhält. Schon vor ein paar Jahren war dem 19-Jährigen vom Bernhard-Strigel-Gymnasium beim Baden in einem Moorsee aufgefallen, dass das Wasser dort viel wärmer ist als in einem Gewässer mit klarem Wasser. Aber erst die Facharbeit hat für 'die nötige Motivation' zum Experimentieren gesorgt. Zwischen Diagrammen, Fotos von Versuchen und kleinen Fläschen mit schwarzen Flüssigkeiten wirft er mit physikalischen Begriffen um sich. 'Jugend forscht' hat ihm auch deswegen so gefallen 'weil so viele Leute da waren, die sich in ihrer Freizeit wie ich mit Technik beschäftigen'.

Stolze Bilanz Nachdem er seine Untersuchungen bis in das kleinste Detail erklärt hat, zieht er stolz Bilanz: 'Meine Ergebnisse lassen vermuten, dass meine Kollektoren besser sind als die herkömmlichen.' Bei 'Jugend forscht' auf Bundesebene rechne er sich aber keine Chancen aus. Der Forschung will er trotzdem treu bleiben und eventuell Diplom-Physik studieren. 'Universal-Genies' seien sie nicht, sagen die beiden Nachwuchswissenschaftler aus dem Unterallgäu. 'Sprachen sind nicht so mein Fall', bekennt Niederlechner. 'Ich bin froh, wenn ich französisch abwählen darf', stöhnt auch Albrecht, während er etwas wehmütig über seine Teilnahme-Urkunde streicht. Nächstes Jahr will er wieder mit dem gleichen Thema antreten.

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