Zwei Tour-Tage, die sich lohnten

Füssen(rea). - Manfred Sailer hatte sich wahnsinnig gefreut: als einer von 30 Mitarbeitern der Post AG war er für die Teilnahme an der Deutschland-Tour ausgelost worden. Er, der Postbeamte aus Füssen, im großen Tross der 330 Hobby-Fahrer der Jedermanntour und damit auch in unmittelbarer Nähe der ganz Großen des Radsports wie Ullrich oder Zabel. Doch schon nach der zweiten Etappe in Wangen im Allgäu war der Traum für den 57-jährigen vorbei. Eine Erkrankung zwang ihn aus dem Sattel seines Rennrads und zurück nach Hause, wo er sich den Rest der Tour im Fernsehen anschaut. Die Deutsche Post AG ist nur eines von zahlreichen Unternehmen, dass für die Jedermanntour der Deutschland-Tour Mannschaften aufstellt. 'Da gibt es einige 100 Hobby-Fahrer, die sich bewerben. Und ich hatte eben heuer das Glück, dass ich ins Team Deutsche Post World Net ausgelost wurde', erinnert sich Manfred Sailer. Er ist in Radfahrer-Kreisen kein Unbekannter. Allerdings fühlt er sich mehr auf dem Mountainbike zu Hause als auf dem Rennrad. Dementsprechend ist auch sein 'Radstall' ausgerichtet. Doch Jeti in Füssen stellte ihm eine hervorragende Rennmaschine zur Verfügung. Als Mitglied im Post-Team musste er zwar Urlaub nehmen, Unterkunft und Verpflegung wurden jedoch komplett gesponsert. Wer auf eigene Faust mitfährt, muss ein paar hundert Euro bezahlen. Die Jedermanntour bei der Deutschland-Tour fährt den Profis voraus. Das heißt, die Hobby-Fahrer starten so mit ein, zwei Stunden Vorsprung, damit auch der letzte im Ziel ist, ehe die Profis auftauchen. Und die Jedermanntour hat verkürzte Etappen, statt 160 nur 120 Kilometer oder ähnlich. Allerdings gehen die Amateure unter den gleichen Bedingungen an den Start wie die Großen. Es gibt Zeitlimits und einen Besenwagen, der dann die aufnimmt, die zu weit zurückhängen.

'Aus diesem Blickwinkel ist das Rennen dann doch sehr, sehr anstrengend und aufregend und nicht mit den üblichen Hobby-Veranstaltungen zu vergleichen', weiß Manfred Sailer, der immerhin schon mehrfach Transalp-erprobt ist und sich schon auf den Start dieser (Tor)Tour 2006 in Füssen freut. Zurück zur Deutschlandrundfahrt. Die erste Etappe, das Einzelzeitfahren in Karlsruhe, meisterte der Füssener Postler noch mit Bravour. Da stand die gleiche Strecke - 23, 1 Kilometer - wie für Jan Ullrich und Co. auf dem Programm. Der brauchte rund 28 Minuten und wurde Zweiter der Profis. Manfred Sailer kam nach rund 39 Minuten ins Ziel und war damit mehr als zufrieden. 'Der Gegenwind hinwärts war einfach brutal. Wenn man das nicht gewohnt ist, dann sieht man halt etwas alt aus', lacht der 57-jährige, der in seiner Altersklasse immerhin 18. von 35 Startern wurde. Erstaunt hat ihn bei diesem Zeitfahren vor allem, dass der schnellste der Jedermänner nur knapp zwei Minuten langsamer als Profi-Sieger Michael Rich war. Auch auf der zweiten Etappe von Gammertingen nach Wangen lag das Feld unheimlich eng beieinander. Er brauchte für die 110 Kilometer 3:08 Stunden. Der schnellste im Jedermann-Tross lag bei 2:47 Stunden. 'Doch dazwischen lagen 220 Plätze', staunt Manfred Sailer. Wie schon beim Einzelzeitfahren schaute Manfred Sailer dann nach seinen Rennen auch bei der ersten Etappe noch den Profis zu. 'Das sind dann schon tolle Erlebnisse', schwärmt er vom Tour-Dorf und der Atmosphäre. Doch was den Anstrengungen auf der Strecke nicht gelang, schaffte dann ein Virus oder vielleicht auch nur die Nervosität: Manfred Sailer wurde krank und musste aufgeben. Die dritte Etappe schaute er sich ziemlich traurig schon wieder zu Hause in Füssen im Fernsehen an: 'Schade, aber da kann man nichts machen. Vielleicht bekomme ich diese Chance noch einmal. Wenn nicht, dann haben sich in jedem Fall die beiden Tage gelohnt'.

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