Zuwachs auf Zeit

Kaufbeuren (avu). - Max war drei Jahre alt, als seine alkoholkranke Mutter eine Entzugstherapie beginnen wollte. Ihr erster Anlauf mit dem Bub misslang, weil die Belastung für Kind und Mutter zu groß wurde. Vor dem zweiten Therapieversuch fand das Jugendamt Pflegeeltern für Max, ohne dass die Mutter das Sorgerecht abgeben musste. Der Name Max steht auch für das Kind, dessen Vater in Untersuchungshaft genommen wird oder dessen Eltern wegen ihrer Veranlagung nicht zur Erziehung ihrer Kinder in der Lage sind. Derzeit gibt es in Kaufbeuren 28 Pflegefamilien, die sich um 37 Kinder kümmern. Das Jugendamt sucht weitere Pflegeeltern. 'Wir brauchen belastbare Eltern, die auch ein älteres Kind aufnehmen würden', sagt Elke Bergmann-Paulus, die bei der Stadt für das Pflegekinderwesen zuständig ist. Doch die Voraussetzungen, um Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung herauszunehmen und in eine neue Familie zu integrieren, sind streng. 'Die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien kommt in Betracht, wenn andere Hilfen, etwa Erziehungsberatung, sozialpädagogische Familienhilfe oder Erziehungsbeistandschaft nicht mehr ausreichen', sagt Jugendamtsleiter Rudolf Uhrle. Ziel ist es aber grundsätzlich, dass das Kind in seine eigentliche Familie zurückkehren kann. 'Deshalb wird auch immer nach Möglichkeiten gesucht, die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie verbessert', so Uhrle. Alle Beratungs- und Therapiemöglichkeiten sollen während dieser Zeit ausgeschöpft werden.

Bleibe dies erfolglos, müssten 'im Interesse des Kindes neue stabile Lebensverhältnisse erarbeitet werden. Dadurch soll sichergestellt werden, das zwar Beziehungen zu den leiblichen Eltern weiter möglich sind, andererseits aber die Beziehungen zu den Pflegeeltern ungestört bleiben', sagt Uhrle. 'Dem Kind soll damit die Möglichkeit für einen Neuanfang gegeben werden.' Pflegeeltern übernehmen mehr Verantwortung und neue Pflichten - diese allerdings in begrenztem Umfang. Lebt ein Kind voraussichtlich längere Zeit in einer Pflegefamilie, dürfen und müssen die 'neuen' Eltern in Angelegenheiten des alltäglichen Lebens des Kindes entscheiden, also zum Beispiel über Mitgliedschaften in Sportvereinen. Über einen Wechsel der Schulart zum Beispiel müssen jedoch die Sorgeberechtigten, eventuell mit Unterstützung des Jugendamtes entscheiden. Zitat Pflegeeltern, die ein Kind oder Jugendlichen in Vollzeitpflege aufnehmen wollen, werden durch das Jugendamt beraten und unterstützt.} Jugendamtsleiter Rudolf Uhrle 310000 Euro wendet die Stadt Kaufbeuren derzeit jährlich für die Vollzeitpflege auf. Denn der notwendige Unterhalt eines jungen Menschen außerhalb seines Elternhauses wird durch das Jugendamt sichergestellt. Pflegeeltern erhalten für ein zwölfjähriges Kind derzeit ein monatliches Unterhaltsgeld in Höhe von 484 Euro sowie einen Erziehungsbeitrag in Höhe 197 Euro. Dazu kommen Beträge zum Beispiel für die Erstausstattung mit Möbeln und Bettzeug. i Das Jugendamt der Stadt sucht geeignete Pflegeeltern für die Dauerpflege. Interessenten steht Elke Bergmann-Paulus, Fachkraft für das Pflegekinderwesen, unter Telefon (08341) 437-380 (e-mail: Elke. Bergmann-Paulus@Kaufbeuren. de) für weitere Auskünfte zur Verfügung.

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